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Wissenschaft und Praxis im Austausch: Lagerungstagung des Versuchszentrum Laimburg (04.08.2017) stellt neue Erkenntnisse zur Obstlagerung vor

Am Freitag, 04. August 2017, fand am Versuchszentrum Laimburg die diesjährige Ausgabe der traditionellen Lagerungstagung statt. Die Experten der Arbeitsgruppe „Lagerung und Nachernte-Biologie“ des Versuchszentrums sowie externe Spezialisten informierten das zahlreiche Publikum über neue Erkenntnisse in der Lagerungstechnologie.

Lohnt sich der Apfelanbau in hohen Lagen? Diese und andere Fragen wurden bei der Lagerungstagung 2017 diskutiert. (c) Versuchszentrum Laimburg

Veranstaltungen wie die Lagerungstagung seien besonders wichtig, da sie den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis ermöglichen. Auf der einen Seite können auf diese Weise neue Erkenntnisse aus der angewandten Forschung Eingang in die tägliche Arbeit der Lagerung finden, auf der anderen Seite sei dies aber nur möglich, wenn man auch wisse, wo die Probleme liegen, betonte Laimburg-Direktor Michael Oberhuber zur Eröffnung der Tagung.

 

Physiologische Lagerschäden mit dem Smartphone bestimmen

Ein Drittel der für die menschliche Ernährung produzierten Nahrungsmittel geht zwischen Anbau und Konsum verloren. Unter vielen anderen Faktoren spielt in diesem Zusammenhang auch die Lagerung eine Rolle, weshalb Weiterentwicklung und Optimierung der Lagerungstechnologien sehr wichtig sind, um in Zukunft Ausfälle während der Lagerung zu verringern. Grund für Ausfälle in der Lagerung seien vor allem physiologische Störungen, erklärte Barbara Stürz, Mitarbeiterin der Arbeitsgruppe „Lagerung und Nachernte-Biologie“ am Versuchszentrum Laimburg. Dabei handelt es sich um Störungen, die neben Verbräunungen und Absterben von Gewebeteilen auch zu Geschmacksveränderungen der Früchte führen können. Drei Faktoren begünstigen das Auftreten physiologischer Störungen während der Lagerung: ungünstige Wachstums- und Witterungsbedingungen, falsche Erntetermine (zu frühe oder zu späte Ernte) oder falsche Lagerbedingungen. Darum sei es unabdingbar auf optimale Vorerntebedingungen und auf die Einhaltung des optimalen Erntetermins zu achten sowie die optimalen Lagerbedingungen zu schaffen, betonte die Expertin. Wenn man die Ursachen physiologischer Schäden kennt und weiß, welche Maßnahmen bei deren Auftreten zu treffen sind, können Ausfälle minimiert werden. Wie man dieses Fachwissen am besten in der Praxis einsetzen könnte, wird im Projekt „StoreWare“ untersucht, das durch das europäische Interreg-V-Programm „Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein“ finanziert wird. Zusammen mit mehreren Partnerinstitutionen in Deutschland (dem Kompetenzzentrum Obstbau – Bodensee, Bavendorf; der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf; der Obstbauversuchsanstalt Jork; der Internetagentur Bodensee; der Marktgemeinschaft Bodenseeobst sowie der Württembergischen Obstgenossenschaft) sind die Experten des Versuchszentrums Laimburg bei der Entwicklung der Applikation „FrudiStor“. Diese soll es ermöglichen, Lagerschäden beim Apfel mit dem Smartphone bestimmen zu können.

 

Auswirkung der Dynamisch Kontrollierten Atmosphäre (DCA) auf die Physiologie des Apfels

Die physiologischen Vorgänge im Apfel können durch die Anwendung unterschiedlicher Lagertechnologien beeinflusst werden. Angelo Zanella, Leiter des Instituts für Berglandwirtschaft und Lebensmitteltechnologie, erklärte, dass durch die Anwendung der Dynamisch Kontrollierten Atmosphäre (DCA) der Sauerstoffgehalt in der Atmosphäre stark gesenkt werden kann, wodurch die Reifung der Früchte weiter verlangsamt wird. Auf diese Weise kann die Lagerfähigkeit der Früchte weiter verbessert werden. Wird der Sauerstoffanteil während der Lagerung zu stark gesenkt, können hingegen Gärungsprozesse hervorgerufen werden. In einer Studie haben die Experten des Versuchszentrums Laimburg den kritischen Sauerstoffgehalt nun mittels einer neuen Technologie, dem Respirationsquotienten, ermittelt, um eventuelle Schäden vermeiden zu können. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass die Produktion von fermentativen Metaboliten, Indikatormoleküle von physiologischen Veränderungen in der Frucht, bei Abnahme von Sauerstoff zunimmt.

 

Qualitätsvergleich zwischen hohen und mittleren Lagen

Die Veränderung unseres Klimas hat zur Folge, dass Äpfel in immer höheren Lagen angebaut werden können. Am Versuchszentrum Laimburg wurde die Qualität von Äpfeln, die in hohen Lagen (Tarsch, Schluderns und Allitz im Vinschgau) angebaut wurden und Äpfeln, die in mittleren Lagen (Kastelbell) gewachsen sind, verglichen. Oswald Rossi, Mitarbeiter der Arbeitsgruppe für Lagerung und Nachernte-Biologie, stellte die Ergebnisse der Untersuchung vor: Zwar verlief der Abbau von Festigkeit und Stärke parallel, aber auf unterschiedlichen Niveaus, wobei Äpfel der hohen Lagen fester sind. Beim Vergleich des Zuckergehalts zeigten sich hingegen keine relevanten Unterschiede. Der Zuckergehalt hängt nicht nur von der Höhenlage, sondern auch von vielen weiteren Faktoren wie beispielsweise dem Behang ab. Beim Säuregehalt hingegen waren die Unterschiede deutlich: Die Äpfel aus den Höhenlagen enthielten 25–30 % mehr Säure als die Äpfel aus den Mittellagen. Auch bei der Ausprägung der Grundfarbe waren Unterschiede festzustellen, wobei die Äpfel aus den Höhenlagen gelber waren als jene aus den tieferen Lagen. Was die Fettigkeit, also die Produktion einer Wachsschicht der Fruchtschale, betrifft, so waren die Äpfel aus der Höhe anfälliger. In Höhenlagen wirken sich Witterungsbedingungen extremer aus und Erträge erreichen nicht jene von gemäßigten Lagen, auch sei die Exposition des Standortes von Relevanz, fasste Oswald Rossi die Beobachtungen zusammen.

 

Innovative Produkte im Test

Nicht nur bei der Lagerung, sondern bereits im Feld kann die Reifung der Früchte gehemmt werden. Harvista™, ein in den USA und Lateinamerika bereits angewandtes, aber in Europa noch im Test befindliches Produkt, soll dies ermöglichen. Flavia Succi von der Firma AgroFresh berichtete über die ersten Erfahrungen mit dem Produkt: Die Wirkung von Harvista™ liege in der Verzögerung der Ernte, wodurch verschiedene Vorteile entlang der gesamten „Versorgungskette“ erzielt werden könnten, erläuterte Succi. Auch konnte der Vorerntefruchtfall durch Harvista™ im Vergleich zu unbehandelten Bäumen reduziert werden. Das Versuchszentrum Laimburg HarvistaTM umfassend prüfen, um der Südtiroler Obstwirtschaft rechtzeitig vor der geplanten Verfügbarkeit des Produkts 2020/21 detaillierte Anwendungsempfehlungen geben zu können.

 

 

Das Versuchszentrum Laimburg

Das Versuchszentrum Laimburg versteht sich als führende Forschungsinstitution für die Landwirtschaft und Lebensmittelqualität in Südtirol. Das Versuchszentrum Laimburg betreibt vor allem angewandte Forschung mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Südtiroler Landwirtschaft zu steigern und die Qualität landwirtschaftlicher Produkte zu sichern. Über 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten jährlich an rund 300 Forschungs- und Versuchsprojekten aus allen Bereichen der Südtiroler Landwirtschaft, vom Obst- und Weinbau bis hin zu Berglandwirtschaft und Lebensmitteltechnologie. Das Versuchszentrum Laimburg wurde 1975 gegründet.

 

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