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Projekte
Biodiversitätsforschung an der ältesten Rebe Europas auf Schloss Katzenzungen (Prissian)
PF-ph-11/1
Das Projekt wurde im Herbst 2009 bei der Provinz Bozen im Rahmen einer neuen Forschungsinitiative eingereicht und befindet sich in der Bewertungsphase. Bei einer Genehmigung und Finanzierung wäre an die Anstellung eines/r wissenschaftlichen Mitarbeiters/In für die Projektlaufzeit von 12 Monaten gedacht.
Kurzfassung des Projektes:
Die Schlossrebe von Katzenzungen in Prissian gehört zu den größten und ältesten Reben Europas und wahrscheinlich der Welt und kann als wahres Naturdenkmal und Kulturerbe betrachtet werden. Die Rebe gehört zur Sorte ‚Versoaln’, einer alten, heute weitgehend ausgestorbenen Südtiroler Weissweinsorte. Aufgrund ihres Alters von ca. 350 Jahren ist die Rebe ein Direktträger, d.h. sie wurde im Unterschied zu den heute angepflanzten Reben nicht auf einer amerikanischen Unterlage gepfropft, sondern wächst auf ihren eigenen Wurzeln. Die Weinrebe (Vitis vinifera) wird, wie jede Pflanze, von einer großen Anzahl unterschiedlicher Mikroorganismen besiedelt, welche negative, positive oder neutrale Effekte auf das Pflanzenwachstum zeigen können. Das Vorliegen von bestimmten holzbesiedelnden Pilzen zeigt sich bei der Rebe von Schloss Katzenzungen im periodischen Auftreten von Symptomen der Esca-Krankheit, welche typisch für ältere Reben sind. Aufgrund ihres Alters, ihres speziellen Wurzelapparates und der seltenen Rebsorte stellt die Rebe von Schloss Katzenzungen eine einzigartige Möglichkeit dar, die mikobielle Biodiversität des Rebholzes zu untersuchen. Durch mehrmalige, schonende Probennahme aus den unterschiedlichen Pflanzengeweben (Wurzel, Stamm, Blatt) werden die reb-besiedelnden Mikroorganismen isoliert, angezüchtet, identifiziert und in einer Stammsammlung konserviert. Aufgrund früherer Untersuchungen bei verschiedenen Pflanzen erwarten wir uns ein Vorherrschen von Pilzarten, daneben sollen aber auch das Auftreten von Bakterien, Phytoplasmen und Viren untersucht werden. Bei morphologisch schwer oder nicht-identifizierbaren Mikroorganismen erfolgt eine molekularbiologische Identifizierung durch die Sequenzierung von hierfür geeigneten DNA-Fragmenten (‚bar-coding’). Zu Vergleichszwecken werden auch Rebproben aus Erwerbsanlagen getestet, welche z.T. keine Symptome aufweisen, bzw. Symptome der Esca-Krankheit zeigen. Die erhaltenen Daten stellen zum einen einen Beitrag zur Biodiversitätsforschung in einem einzigartigen Habitat dar, zum anderen können sie eine Hilfeleistung geben, um dieses Naturdenkmal sachgerecht pflegen zu können und damit auch für künftige Generationen zu erhalten.
Zusammenarbeit: Sektion MolekularbiologieDauer: 1 Jahr
Projektleiter: W. Schweigkofler
Finanzierung: Dieses Projekt wurde bei der Abteilung 40 der Landesverwaltung eingereicht. Die Durchführung hängt von der Bewilligung der Finanzierung ab.