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Diagnostik
Diagnostik 2009
Phytopathologische Diagnostik – Jahresbericht 2009
Im Labor für Virologie und Diagnostik des Versuchszentrums Laimburg wurden im Berichtsjahr 236 Pflanzenproben auf Schaderreger untersucht. Die Proben stammten aus dem Kern- und Steinobstanbau, dem Gemüse- und Zierpflanzenbau sowie aus dem Weinbau. Im Folgenden wird ein Überblick über die auffallendsten Schadensfälle des Jahres 2009 kurz berichtet.
Feuerbrand
Im Jahr 2009 wurden in Südtirol nur drei Feuerbrandfälle festgestellt. Der erste Fall wurde am 8. Juli in Naturns im Vinschgau an vorgeschulten Apfelbäumen registriert, ein weiterer dann in Pfalzen im Pustertal an einem im Jahr 1970 gepflanzten Birnbaum, und schließlich wurde Ende September in Klobenstein (Gemeinde Ritten) an zwei Birnenbäumen der Sorte Pastorenbirne Feuerbrand entdeckt. Diese beiden Birnenbäume wurden vermutlich bereits im Vorjahr infiziert. Diese Fälle betrafen alle den Streuobstbau. Trotz mehrerer Infektionstage in der Nachblütezeit ist es überraschender Weise landesweit zu keinem einzigen Feuerbrandfall in Ertragsanlagen gekommen, vermutlich wegen Mangels an Inokulum.
Insgesamt wurden 36 Proben wegen Feuerbrandverdachts mikrobiologisch untersucht. Der Feuerbranderreger Erwinia amylovora wurde nur an 8 Proben nachgewiesen, welche alle aus den drei oben angeführten Befallstellen stammten.
Kernhausfäule bei der Apfelsorte "Fuji"
Im Sommer wurden bereits Anfang August in mehreren Ertragsanlagen des Burggrafen-amtes, des Etschtals und des Südtiroler Unterlandes größere Faulstellen an baumhängenden Früchten der Sorte "Fuji" festgestellt. Befallsgrade bis zu zwei und mehr Prozente waren dabei keine Seltenheit. Die Früchte hatten an der Oberfläche größere, deutlich abgegrenzte, braun gefärbte, eher weiche Faulstellen, ohne dass an der Fruchtschale offene Wundstellen zu erkennen waren (Foto 1). Diese Faulstellen umfassten immer auch die Kelchgrube und an der Kelchöffnung war meist Saftaustritt zu beobachten. Beim Durchschneiden der befallenen Früchte konnte man eine helle, fast farblose, wässerige Fäule erkennen, die immer vom Kernhaus auszugehen schien (Foto 2). Die von der hellen, wässrigen Fruchtfleischfäule isolierten Pilzkolonien wurden anhand der makro- und mikroskopischen Merkmalen identifiziert: Es handelte sich um die Pilzart Sphaeropsis malorum Peck (Syn. Diplodia seriata De Not.). Vom Rande der anfangs hellfarbigen und mit der Zeit tiefgrünen Pilzkolonien wurde etwas Myzel abgeschnitten und als Inokulum in reife Früchte der Sorte Golden Delicious für einen Pathogenitätstest implantiert. Nach 10 Tagen Inkubation in feuchter Kammer bei 25 °C waren alle Testfrüchte fast zur Gänze gefault. Der Pilz formt innerhalb von 10 Tagen auf künstlichem Nährmedium (potato dextrose agar - pH 3,5) seine Fruchtkörper (Pyknidien). Diese sind schwarz, kugelig bis birnenförmig (Durchmesser 250-350 μm) mit einer weiten Öffnung (Ostiolum) versehen, woraus Konidien in großen Mengen herausströmen (Foto 3). Die Konidien des Pilzes sind einzellig (selten zweizellig), braun gefärbt, zylindrisch bis oval geformt mit abgerundeten Enden (22-25 x 9-12 μm) und sitzen im Inneren des Pyknidiums auf kurzen, unverzweigten Konidienträgern. S. malorum wurde somit zum ersten Mal als Verursacher einer Kernhausfäule an Südtiroler Äpfeln identifiziert.
Bei anderen Proben konnte eine helle, wässrige Fäule beobachtet werden, welche zum Kernhaus hin sehr oft in eine rötlich-braune, kompaktere Fäulnis überging. Auch bereits im August zeigten Früchte, die wegen Kernhausfäule notreif geworden und rot gefärbt waren, häufig im Inneren diese rötlich braune, kompakte und an das Kernhaus angrenzende Fäule (Foto 4). Aus dieser Fäulnis wurde ausschließlich die Pilzgattung Fusarium Link isoliert. Auch diese Fusarium-Pilzisolate erwiesen sich im Pathogenitäts-Test immer als aktive Fäulniserreger, obwohl ihr Virulenzgrand deutlich geringer war als der von S. malorum, gemessen an der Geschwindigkeit der Fäulnisbildung an den Testfrüchten. Ein typisches Merkmal einer solchen Fusarium-Fäule ist die klare Trennung des faulen Fruchtfleisches vom noch gesunden Gewebe. Weiters haben diese Fusarium-Pilze die Eigenschaft, das Nährmedium intensiv karminrot oder ziegelrot anzufärben. Sie formen in vitro zahlreiche drei- bis fünffach septierte Makro-Konidien (37,5-50 x 5 μm) wie auch ein- bis zweizellige Mikro-Konidien. Eine genauere taxonomische Einordnung dieser Fusarium-Pilze ist an Hand dieser morphologischen Merkmale kaum möglich.
Um das Kernhaus herum wurde an manchen Früchten auch eine trockene Kernhausfäule ("Dry Core Rot") gefunden (Foto 5). In diesen Fällen war das bereits stark angegriffene Kernhaus durch intensive Schimmelbildung geprägt, wobei die Textur der Fäule ziemlich verkorkt war. Am häufigsten konnten hier die Pilzgattungen Phoma und Fusarium isoliert werden, seltener Cladosporium und Alternaria sowie Hefen unbestimmter Art. Der Pilz Phoma sp. (Ordnung Sphaeropsidales) produziert in vitro kugel- bis birnenförmige, schwarze Pyknidien, versehen mit einem kleinen Ostiolum, aus welchem zahlreiche einzellige, helle und länglich geformte Konidien (6 x 1,5 μm) herausströmten. Im Pathogenitäts-Test war dieser Phoma-Pilz imstande, innerhalb von 12 Tagen eine bis zu 5 mm tiefe, braune Fruchtfäule zu verursachen.
Da die am Baum hängenden Fruchtmumien bekanntlich potentielle Infektionsquellen für Fruchtfäule darstellen, wurden auch diese Mumien mikrobiologisch auf Schaderreger untersucht. Insbesondere die schwarzen Fruchtmumien waren sehr häufig intensiv mit Pyknidien vom Pilz Sphaeropsis malorum belastet. Weiters waren auch die Sporenlager (Sporodochien) der Fusarium Pilze zu beobachten. Diese hatten im hohen Maße Ähnlichkeit mit den Fusarium-Typen, die an der Kernhausfäule von Fuji isoliert werden konnte. Auch die bei uns häufigen Rußtau-Erreger Alternaria sp. und Cladosporium sp. sowie andere, nicht näher identifizierte Pilze, Hefen und Bakterien waren ständig zu beobachten. Für den Pathogenitäts-Test wurden die Fruchtmumien in reife Gala-Testfrüchte implantiert. Bereits innerhalb weniger Tage formte sich, von der Inokulationsstelle ausgehend, eine tief ins Fruchtfleisch greifende, wässrige Fäule. Als Fruchtfäuleerreger wurde an den Testfrüchten ausschließlich S. malorum isoliert. Mit Hilfe dieser Ködermethode konnten weitere mögliche Schaderreger nicht erhoben werden. Vermutlich erlangt S. malorum wegen seiner hohen Virulenz leicht die Oberhand über andere, ebenfalls an den Fruchtmumien vorhandene Erreger, nicht zuletzt auch aufgrund der für diesen Pilz idealen Wachstumsbedingungen (hohe Temperatur und Feuchtigkeit).
Phytophthora syringae als Schaderreger am Apfel
An sortierten, abgepackten und bereits im Regal für den Verkauf angebotenen Golden-Delicious-Früchten der Ernte 2008 wurde eine Phytophthora-ähnliche Fruchtfäule festgestellt. Wie schon in den vergangenen Jahren kam es an solchen Proben erneut zu Schwierigkeiten bei der Isolierung des Erregers, auch wenn ein für Oomyzeten typisches, nicht septiertes Myzel vorhanden war. Dieses eigenartige Verhalten wurde bereits in früheren Untersuchungen beobachtet und zugeordnet: Es handelt sich in solchen Fällen meist um die durch Phytophthora syringae Klebahn verursachte Fruchtfleischfäule. Diese Art von Phytophthora kann in vitro nur bei einer Inkubationstemperatur von 12 - 14 °C mit Erfolg angezüchtet werden. P. syringae unterscheidet sich von der wohlbekannten P. cactorum Fäule durch die zahlreichen, meist interkalaren und perlschnurförmig aneinander gereihten Hyphen-Schwellungen und auch durch die typischen eiförmigen Zoosporangien des Pilzes mit wenig vorstehender Papille (Foto 6).
Die Südtiroler Obstbauböden sind also nicht nur mit der Spezies Phytophthora cactorum besiedelt, sondern auch mit P. syringae, einem weiteren Verursacher von Fruchtschäden am Apfel. Die im Boden befindendlichen Keime beider Schaderreger können mit erdverschmutzten Großkisten in die Lagerräume gelangen, wo sie schadlos die Lagerperiode überdauern. Während der Nasssortierung kann dann die Lagerware durch die Keime beider Erreger infiziert werden, meist im Bereich der Stängelgrube bzw. über die Lentizellen oder kleinere Wunden. Die Äpfel werden nach der Sortierung handelsüblich in geschlossene Beutel oder in Foodtainer verpackt und bleiben bis zum Verkauf kühl gelagert. Dieser Art der Verpackung kann wegen der vorherrschenden Bedingungen, vergleichbar mit einer "feuchten Kammer", in vielen Fällen in der Folge zu Fruchtfäulnis führen, ausgelöst durch eine der beiden oder durch beide Oomyzeten-Arten.
Bakterienbefall an Süßkirsche und Marille
Süßkirscheanlagen, wo im Jahr zuvor größere Fruchtschäden durch Pseudomonas syringae pv. syringae aufgetreten waren, wurden im Frühjahr 2009 sorgfältig auf die Anwesenheit von Rinden- und Blattnekrosen kontrolliert. An mehreren einjährigen Astpartien der Sorte "Regina" auf Gisela-5-Unterlage konnten auch etliche kleinere Canker an einjährigen Ästen beobachtet werden. Die Canker waren zur Zeit der Probenentnahme (Anfang April) noch nicht aktiv. Bei der mikroskopischen Untersuchung des befallenen Rindengewebes wurde ein eher spärliches Vorhandensein von Bakterienzellen festgestellt und zwar lediglich in den tieferen Schichten des Rindenparenchyms. Diese Bakterienzellen wurden isoliert und an Hand der physiologischen und biochemischen Merkmale als Pseudomonas syringae pv. syringae van Hall identifiziert, Verursacher des bakteriellen Rindenbrandes im Steinobst. Es war also derselbe Erreger, welcher schon im Jahr zuvor in großem Ausmaß die bakterielle Fruchtschädigung in der Süßkirschenanlage verursacht hatte. Von den befallenen Früchten ausgehend, hatte augenscheinlich das Bakterium im vergangenen Herbst über die Blattnarben und kleinere Wunden die Äste infiziert und somit die Canker verursacht.
In denselben Befallsanlagen wurden Anfang Mai auch Blattproben gesammelt, da punkförmige und eng aneinander liegende Nekrosen, umgeben mit einem gelben Halo, sowie auch eine deutliche Verunstaltung der Blattspreite zu beobachten waren (Foto 7). An diesen Blattnekrosen, worin massenweise Bakterienzellen vorgefunden wurden, konnte als einziger bakterieller Schaderreger Pseudomonas syringae pv. syringae isoliert werden. Als agronomische Maßnahme wurden in der betroffenen Anlage die mit Canker befallenen Zweige herausgeschnitten. Weiters wurden mehrere Behandlungen mit Kupferpräparaten durchgeführt, womit einem neuen Befall an den Früchten vorgebeugt werden konnte.
In einer Marillenanlage in der Nähe von Brixen im Eisacktal wurden Anfang Mai Astproben der Sorte Goldrich auf St. Julian A entnommen. Hier waren als Schadbild abgestorbene Knospen und Rindennekrosen zu sehen. Wiederum wurde als Schaderreger nur Pseudomonas syringae pv. syringae identifiziert.
Bakterieninfektionen sind in Südtirol bis dato ausschließlich im Kirschenanbau und im Marillenanbau festgestellt worden, aber noch nicht im Zwetschgenanbau. Als Schaderreger der Bakteriosen wurde immer nur die Pathovar Pseudomonas syringae syringae nachgewiesen und niemals die Pathovar Pseudomonas syringae mors-prunorum, und ebenso nicht die Spezies Xanthomonas arboricola pv. pruni.
Diagnostik 2008
Phytopathologische Diagnostik - Jahresbericht 2008
Im Berichtsjahr wurden rund 290 Pflanzenproben zwecks Untersuchung der Schadensursache im Labor für Virologie und Diagnostik am Versuchszentrum Laimburg abgegeben. Wegen Verdacht auf Feuerbrandbefall wurden 108 Proben mit Befallsverdacht vom Landespflanzenschutzdienst eingereicht: Bei lediglich 13 dieser Proben konnte der Verdacht bestätigt werden.
Weitere 182 Proben stammten vom Kern- und Steinobstanbau, Gemüse- und Zierpflanzenbau und vom Rebenanbau. Die im Jahr wichtigsten Vorfälle werden im Folgenden kurz vorgestellt.
Feuerbrand Untersuchungen im Jahr 2008
Der erste Feuerbrandfall im Berichtsjahr wurde am 10. Juni in Schenna (Burggrafenamt) entdeckt. Es handelte sich Apfelbäume der Sorte Golden Delicious im ersten Standjahr. Ein weiterer Fall wurde in einer Apfel-Ertragsanlage in Dietenheim (Pustertal) nachgewiesen. Bis Monatsende stieg die Zahl der Fälle auf insgesamt acht (Tirol-Zenoberg, Naturns-Staben, Bozen-Kampenn und Pfalzen im Pustertal), wobei in erster Linie Bäume im ersten Standjahr betroffen waren. Im Monat Juli wurden weitere vier Fälle (Signat-Ritten und Pfalzen) festgestellt, je ein Fall bei Apfel und Quitte und zwei Fälle bei Birne.
Entgegen den Befürchtungen aufgrund der großen Zahl an Fällen im Vorjahr, wurden insgesamt bis Jahresende „nur" 12 Fälle festgestellt (Foto 1). Zudem waren fast durchwegs nur wenige Einzelbäume in den betroffenen Anlagen befallen. Mit Sicherheit haben neben den für eine Infektion ungünstigen Witterungsbedingungen während der Blüte auch die gewissenhaften Kontrollen und das konsequente Roden der befallenen Pflanzen dazu beigetragen, dass heuer nicht mehr Fälle zu verzeichnen waren.
Insgesamt wurde im Berichtsjahr bei 108 Proben eine Laboranalyse durchgeführt, davon waren 13 positiv. Im Vorjahr belief sich, zum Vergleich, die Zahl der untersuchten Proben auf 257, wobei an 114 ein Befall nachgewiesen wurde.
Rindenerkrankungen am Apfel
Im Rahmen der Feuerbrandkontrollen im Monat Juni wurde in einer Neu-Anlage der Sorte Braeburn im Vinschgau an einjährigen Trieben im Rindenbereich das Schadbild einer möglichen Feuerbrandinfektion beobachtet (Foto 2). Auf Grund der mikroskopischen Untersuchung konnte man an der Probe eine Infektion durch Bakterien zwar ausschließen, am Rindenparenchym wurde hingegen ein coenocytisches Myzel so wie zahlreiche Sporangien beobachtet, typisch für Pilze der Klasse Phycomycetes, Ordnung der Oomycetales. Dieser Pilz wurde vom kranken Gewebe isoliert und an Hand der morphologischen Merkmale zur Art Phytophthora cactorum Schroeter klassifiziert, da gleich unserem Referenzstamm die Kolonie das geflammte Mycel des Algenpilzes im Nährmedium formte. Weiters waren folgende, für P. cactorum typische Merkmale zu erkennen: die Seiten-Hyphen waren stets an der Haupt-Hyphe rechtwinklig ansitzend, die Hyphen waren unmittelbar an der Abzweigung von der Haupthyphe eingeschnürt und gleich darüber leicht knollig verdickt (Foto 3). Im Nährmedium kultiviert, bildete die Kolonie zahlreiche eiförmige Zoosporangien mit weit vorstehender, halbkugelförmiger Papille. Zahlreich waren im künstlichen Corn Meal Agar Nährmedium auch die Oogonien und die Oosporen zu erkennen. Für den Pathogenitäts-Test wurden im Labor reife Apfelfrüchte mit dem Mycel der Pilz-Isolate inokuliert und bei 27 °C inkubiert, bis zum Auftreten einer Faulstelle am Inokulationspunkt. Vom Rande des faulen Fruchtfleisches konnte P. cactorum immer rückisoliert werden.
Beim Verursacher der Rindenerkrankung an der Probe handelte es sich also um dem selben Erreger der Kragenfäule ("Crown rot"). Phytophthora kann als Saprophyt auf totem organischem Material im Boden überleben und im Erdbereich über Jahre hindurch in Form von Oosporen und Chlamidosporen überdauern und die Wirtspflanzen am Wurzelhals oder im Wurzelbereich infizieren. Im Südtiroler Apfelanbau wird zum Großteil die gegen Kragenfäule tolerante, schwach wachsende M9-Unterlage verwendet und deshalb ist P. cactorum heutzutage als Rindenbranderreger am Wurzelkragen kaum noch von Bedeutung. An baumhängenden Früchten wurde öfters aber eine durch P. cactorum verursachte Fruchtfäulnis festgestellt und zwar wenn für die Oberkronenbewässerung ein stark mit Zoosporen verseuchtes Wasser eingesetzt wurde. Auch bei der Lagerware konnte in manchen Jahren eine P. cactorum-Fruchtfäule festgestellt werden. Es handelt sich meist um spät und nach einer längeren Regenperiode gepflückte Früchte, wobei die Infektion an den Äpfeln dann üblicher weise bei der Nasssortierung zustande kommt.
Bei dem im Berichtsjahr aufgetretenen Rindenbrand an den Astpartien kam es möglicherweise zur Infektion gleich vor der Pflanzung, auf Grund einer Erdverschmutzung der Jungpflanzen. Die aus den Sporangien herausquellenden und beweglichen Zoosporen wandern bei günstigen Bedingungen (hohe Bodennässe) frei im Boden. Über Wunden, Spaltöffnungen und Lentizellen können die Zoosporen in das noch weiche und wenig geschützte Rindenparenchym des Astes eindringen und eine Rindenerkrankung auslösen. Tatsächlich waren die zur Untersuchung abgegebenen Astproben mit Lehm und Erdpartikeln stark verschmutzt. Bei Neupflanzungen ist also deshalb stets zu achten, nicht das Pflanzmaterial auf offenem Boden abzulagern um die Möglichkeit einer Infektion vom Boden aus zu unterbinden.
Bei den Feuerbrandkontrollen wurden auch Astproben geprobt, die für Feuerbrand eher untypische Symptome zeigten. An den noch grünen und unverholzten Jahrestrieben waren in diesen Fällen braun-schwarze, streifenförmige und längs gezogene Verfärbung zu erkennen und das meist nur seitlich am Trieb. Bei der mikroskopischen Untersuchung konnte die bakterielle Zerstörung des Parenchym-Gewebes zwar beobachtet werden, doch wurde der Erreger als Pseudomonas syringae pv. syringae identifiziert, auch ein Erreger des bakteriellen Rindenbrandes. Die Infektion durch dieses Bakterium führt zu einer Trieb-Nekrose, die dann im fortgeschrittenen Stadium einer Feuerbrandinfektion sehr ähnlich aussieht. Vom bakteriellen Pseudomonas-Rindenbrand sind normalerweise nur einzelne Triebe am Baum befallen und die Krankheit bleibt, im Unterschied zum Feuerbrand, lokal an der Infektionsstelle begrenzt. Pseudomonas syringae pv. syringae lebt normalerweise als Epiphyt an der Wirtspflanze und ist praktisch in jeder Anlage immer vorzufinden. Das Bakterium besitzt eine eher schwache Aggressivität und wird als Schwächeparasit eingestuft. Bei anfälligeren Sorten, wie z.B. bei Braeburn, kann das Bakterium einen Blütenbrand verursachen und zwar vor allem in Zusammenhang mit Schäden durch tiefe Temperaturen (Frost) während der Blüte.
Schäden an Apfelfrüchten durch Berostung und "Weißen Hauch"
Bereits anfangs Juni wurde das Schadbild des so genannten "Weißen Hauchs" (WH) an der Fruchtschale von baumhängenden Früchten beobachtet, mitunter in Begleitung einer mehr oder weniger starken, recht unregelmäßig verteilten, fleckenartigen bis netzförmigen Berostung (Foto 4). In den folgenden Monaten wurden weitere Proben der Sorten Fuji, Gala, Braeburn und Red Delicious mit ähnlichen Problemen aus allen Obstanbaugebieten Südtirols zur Analyse eingereicht. Die Proben stammten vorwiegend aus den tiefer gelegenen und eher feuchten Lagen. Visuell betrachtet zeigten alle betroffenen Fruchtproben an der Fruchtschale einen klecksartig verteilten, weißfarbigen Belag, den so genannten "Weißen Hauch". Es handelt sich dabei um eine Schädigung der Fruchtschale, die durch eine starke Besiedlung der Epidermis mit Pilzen der Gattung Tilletiopsis sp. hervorgerufen wird. Zusätzlich ins Gewicht fiel das Auftreten von Fruchtberostungen, die heuer in verstärktem Ausmaß zu beobachten waren. Von der Berostung betroffen waren dabei häufig auch Apfelsorten, die eigentlich nicht als berostungsanfällig gelten.
Die Früchte wurden zunächst mikroskopisch untersucht, hauptsächlich in jenen Bereichen, wo der "Weiße Hauch" und die Berostungs-Erscheinungen am deutlichsten zu erkennen waren. Mit einer Rasierklinge wurden hauchdünne Tangential- und Querschnitte an der Epidermis durchgeführt und das herausgeschnittene, frische Gewebe mittels Phasenkontrastmikroskopie bei 400-facher Vergrößerung untersucht. An der Fruchtschale wo "Weißer Hauch" und die Berostung vorhanden waren, konnte man am Rande des herausgeschnittenen Gewebes das typische, engmaschige und mehrschichtige Hyphengeflecht des Brandpilzes Tilletiopsis sp. gut erkennen. Auch waren öfters die sichelförmigen Ballistokonidien und die dünnen, lang gezogenen, fadenförmigen Blastosporen des Hefepilzes vorhanden. An den berosteten Bereichen der Fruchtschale konnte man deutlich feine, längliche Risswunden erkennen, die an dunkles, bräunlich verfärbtes und verkorktes Fruchtschalengewebe angrenzten. An den Risswunden konnte am bloßgelegten Gewebe die Besiedlung durch nekrotrophe Pilze, hauptsächlich Alternaria sp. und Cladosporium sp., beobachtet werden. Auch etliche Hefezellen waren vorhanden, weiters auch das dunkle, kettenförmige Hyphen-Geflecht der Hefepilzes Aureobasidium pullulans (Foto 5).
Sämtliche Pilzgattungen konnten im weiteren Verlauf der Untersuchungen von der Fruchtschale isoliert und in Reinkultur gebracht werden. Neben Tilletiopsis sp. und etwas seltener A. pullulans, wurden häufig Hefen vom Typ Rhodotorula glutinis, Cryptococcus laurentii wie auch die rote, Ballistosporen produzierende Hefe Sporobolomyces roseus isoliert. Mengenmäßig war der Anteil an Hefen stets hoch. Untersuchungen in den USA, Kanada und in Holland stellten fest, dass der Hefepilz A. pullulans und die Hefearten Rhodotorula glutinis und Sporobolomyces roseus, zwei am häufigsten an der Phyllosphäre des Apfels vorkommende Epiphyten, als auch einige Spezies von Tilletiopsis (T. albescens, T. pallescens) berostende Eigenschaften besitzen. All diese Mikroorganismen haben die Eigenschaft, bestimmte hydrolytische Enzyme zu produzieren (Cutinase, Lipase, Pectinase, Protease) und sind durchwegs imstande, Cutin und die Wachskomponenten der Cuticula abzubauen und die Stoffwechselprodukte als einzige Kohlenhydratquelle zu benützen.
Wenn während der Blüte oder kurz danach die noch dünn ausgelegte Beschichtung der Cuticula beschädigt wird, werden die darunter liegenden und nunmehr nicht mehr geschützten Epidermiszellen der Oxidation und den schädlichen äußeren Einflüssen ausgesetzt. Die unter der Epidermis liegende Hypodermis wird in der Folge angeregt, eine neue schützende Zellwand zu bilden, das so genannte Periderm. Mit dem Heranwachsen der kleinen Früchte verbinden sich die anfänglich kleinen und eher abgegrenzten Bereiche des Periderms zu immer größer werdenden verkorkten Flächen, die als mehr oder weniger starke Berostung in Erscheinung treten (Foto 6).
Das verstärkte Auftreten von Berostungen im Jahr 2008 an Apfelfrüchten könnte möglicherweise mit der kühlen und nassen Witterung während der Blüte und den darauf folgenden Wochen in Verbindung gebracht werden. Betrachtet man das mikrobiologische Bild der berosteten Fruchtschalen, sowie die Art und die Morphologie der heurigen Berostung, muss auch die Möglichkeit einer mikrobiellen Ursache des Schadens in Betracht gezogen werden. Die längere Nässeperiode während der Blüte und der Nachblütezeit sowie die Ausbringung von stickstoffhaltigen Blattdüngern (Ammoniumphosphat, Harnstoff) und von pflanzlichen Biostimulatoren (Huminsäuren, usw.), könnten die berostungsaktiven Hefepopulationen inklusive bestimmte Spezies von Tilletiopsis (Weisser Hauch) und den dimorphen Ascomyceten A. pullulans stark gefördert haben.
Zurzeit fehlen noch die Erfahrungen über die Entwicklung der Berostung in Zusammenhang mit jener des "Weißen Hauchs" an den Früchten während der Lagerung. Diesbezüglich laufen Untersuchungen am Versuchszentrum Laimburg, insbesondere um den Einfluss von verschiedenen Lagerungsbedingungen auf die Weiterentwicklung vom "Weißen Hauch" und der Berostung sowie die Entstehung von weiteren epiphytischen Schäden wie "Rußtau" zu erforschen.
Bakterielle Fruchtschädigung an Süßkirschen (Prunus avium)
Einige Früchteproben von Süßkirschen der Sorte Regina und Kordia wurden gegen Mitte Juli am Labor für die phytopathologische Untersuchung von Fleckungen (fruit spotting) an der Fruchtschale eingereicht. Die allerersten Proben stammten aus dem benachbarten Trentino, weitere Proben folgten aus dem Südtiroler Süßkirschenanbaugebieten. Das Schadbild bestand aus zahlreichen nekrotischen Fleckungen, hauptsächlich an der unteren Hälfte der Frucht, unterschiedlich in der Größe und großteils rundlich in der Form (Foto 7). Die Flecken waren schwarz, etwas eingesunken aber nicht allzu tief ins Fruchtfleisch eindringend. Das Gewebe unmittelbar unterhalb der Fleckungen war aufgehellt und schwammig. Bei der mikroskopischen Untersuchung konnten am geschädigten Gewebe massenhaft mobile Bakterienzellen förmlich herausquellen sehen. Als mögliche Verursacher einer solchen Schädigung kommen die Bakterien vom Typ Xanthomonas arboricola pv. pruni, Pseudomonas syringae pv. syringae und die im Steinobst spezialisierte Form Pseudomonas syringae pv. morsprunorum in Betracht. Vom Rande des befallenen Gewebes wurden die Bakterien isoliert und mikrobiologisch untersucht. Alle Bakterienisolate besaßen folgende Merkmale: sie waren gram- und Oxidase-negativ, fluoreszierten auf King's B Nähmedium, formten "Levan" auf Nutrient Sucrose Agar. Das Verhalten im O/F-Test in Glukose war strikt oxidativ, negativ verlief die Arginidihydrolase, die Kartoffelzersetzung, die Hydrolisierung der Stärke, die Lipolyse von Tween 80, die Reduktion der Nitrate und der Urease-Test. Positiv war hingegen war der Hypersensitiviäts-Test auf grüner Bohne (Phaseolus vulgaris var. nanus), der Katalase-Test, der Gelatineabbau und die Spaltung von Äskulin. Im 5%Sucrose Nutrient Broth zeigte sich die Kultur gelb-farbig und positiv verlief die Wiedergewinnung der Bakterienkultur nach 8-tägiger Bebrütung auf Nutrient Sucrose Agar. An Hand der physiologischen und biochemischen Merkmale konnten wir die Isolate zur Spezies Pseudomonas syringae pv. syringae van Hall zuordnen. Die spezialisierte Form Pseudomonas syringae pv. morsprunorum unterscheidet sich von der patovar syringae durch eine weißfarbene Kultur im 5%Sucrose Nutrient Broth, keine Wiedergewinnung der Kultur nach 6-tägiger Bebrütung im Nutrient Sucrose Agar und das Ausbleiben der Spaltung von Äskulin (Vicente & Roberts, 2006).
Im Steinobstanbau ist Pseudomonas syringae pv. syringae als Erreger des bakteriellen Rindenbrandes (bakterial canker) bekannt und kann während der Vegetationsperiode unter günstigen Bedingungen auch Blätter und Früchte befallen. Bei den oben untersuchten Fällen konnte aber weder ein Befall an den Rindenpartien, noch ein bakterieller Blattbefall festgestellt werden.
Das Bakterium überlebt bekanntlich auf der Pflanzenoberfläche vieler Wirtspflanzen ohne diese dabei zu infizieren. Es ist zurzeit noch nicht bekannt, welche speziellen Bedingungen erforderlich sind um die Pathogenität des Bakteriums auszulösen. Möglicherweise stellten im Berichtsjahr die vorherrschenden Witterungsbedingungen im Juni einen entscheidenden Faktor dar. Der Monat Juni 2008 war in Südtirol wie auch im benachbarten Trentino durch überaus warme, deutlich über dem langjährigen Mittelwert liegende Temperaturen gekennzeichnet. Er war zudem gleichzeitig aber auch äußert niederschlagsreich: in der ersten Monatshälfte verlief kein Tag ohne Regen und in der zweiten Hälfte gab es auch mehrere heftige Gewitter. Obwohl heutzutage der moderne Ertrags-Kirschenanbau fast ausschließlich unter Abdeckung der Pflanzenreihe mit einer Nylonfolie betrieben wird, so herrscht unter der Abdeckung und hauptsächlich nach einem starken Gewitter, ein lang anhaltendes, feucht-nasses Mikroklima. Woher auch immer die infizierenden Bakterien gekommen sind, so konnten sich diese durch Regen und Windböen getragen auf die schon fast vollreifen Früchte ansetzen. Die lang anhaltende Nässeperiode unter der Abdeckung ermöglichte dann anscheinend die Infektion. Im weiteren Verlauf der Reifungsphase kamen auch noch weitere Fäulniserreger an den bakteriell bedingten Läsionen hinzu, wie zum Beispiel Pilze der Art Cladosporium carpophilum und Coryneum beijerinckii. In einer Südtiroler Süßkirschenanlage war das Ausmaß des Schadens zum Erntezeitpunkt so hoch, dass die gesamte Produktion nur mehr für die industrielle Verwertung geeignet war.
Diagnostik 2007
Phytopathologische Diagnostik - Jahresbericht 2007
Im Berichtsjahr wurden im Labor für Virologie und Diagnostik des Versuchszentrums Laimburg rund 435 Pflanzenproben zur Untersuchung auf Schaderregernbefall abgegeben. Nach jeder abgeschlossenen Untersuchung konnte ein Diagnosebericht erstellt und dem Auftraggeber ausgehändigt werden. Mit Verdacht auf Feuerbrandbefall wurden vom Pflanzenschutzdienst der Provinz Bozen insgesamt 257 Proben für die Bestätigungsanalyse eingereicht; 22 feuerbrandverdächtige Proben kamen von außerhalb der Provinz Bozen. Vom Kern- und Steinobstanbau, Gemüse- und Zierpflanzenbau und vom Rebenanbau stammten die übrigen untersuchten 156 Pflanzenproben. Die im Jahr wichtigsten Untersuchungen werden im Folgenden kurz vorgestellt.
Feuerbrand Untersuchungen im Jahr 2007
Das Jahr 2007 war durch eine besonders hohe Zahl an Feuerbrandfällen im Südtiroler Erwerbs- und Streuobstanbau gekennzeichnet (Tabelle 1). War die Bakterienkrankheit in den vergangenen Jahren meist eher gebietsweise aufgetreten, so waren im Berichtsjahr die Fälle praktisch über das ganze Land verteilt. In vielen Fällen war glücklicherweise nur eine geringe Zahl an Pflanzen von der Krankheit betroffen, aber bis zum Ende der Vegetationsperiode mussten immerhin 163 Feuerbrandfälle registriert und knapp 6.000 Pflanzen auf Grund des Befalles gerodet und vernichtet werden. Allein im Apfelanbau waren es 126 Fälle, überwiegend in Höhenlagen zwischen 600 und 900 m, wobei 89-mal (=79%) Pflanzen im ersten Standjahr betroffen waren. Diese im Frühjahr gepflanzten Bäume sind aufgrund der verzögerten Blüte besonders anfällig für Blüteninfektionen. Relativ viele Fälle (31) gab es bei meist älteren, isoliert stehenden Birnbäumen der Streuobstbaugebiete im Eisacktal und insbesondere im Pustertal. Drei Fälle wurden auf Quitte und insgesamt drei Fälle bei Ziergehölzen nachgewiesen.
Die erste für Erwinia amylovora positiv eingereichte Probe wurde am 23. Mai beim Labor abgegeben. Die Probe stammte aus Tabland, Gemeinde Naturns, im Vinschgau, und wurde in einer Neuanlage der Sorte Golden Delicious entnommen. Es folgten in den folgenden Tagen weitere positive Befunde für Proben aus den Nachbargemeinden und von den geografisch nicht weit entfernten Standorten Plaus, Saltaus (Gemeinde Riffian), Rabland (Gemeinde Partschins), Verdins (Schenna) und Völlan (Gemeinde Lana). Noch im selben Monat wurde eine ganz neue Befallszone in Dietenheim, Pustertal entdeckt.
Schon bei den ersten untersuchten Proben konnte man feststellen, dass die Bakteriose glücklicherweise noch in einem sehr frühen Stadium erkannt worden ist. Durch die ungewöhnlich warme Witterung im April war das Infektionsrisiko für die Blüteninfektion besonders hoch, es fehlte aber der erforderliche Niederschlag. Die symptomlose Verbreitung des Erregers über die Blüten durch Bienen und andere bestäubende Insekten konnte während der Hauptblüte scheinbar trotzdem stattfinden. Der ausreichende Niederschlag oder die Taubildung war dann der Auslöser für die Blüteninfektionen gegen Mitte Mai in den noch spät gepflanzten und den nachblühenden Ersatzpflanzen der Ertragsanlagen und in den höher gelegenen Streuobstgebieten.
Im Juni wurde die größte Zahl an Feuerbrand-verdächtigten Proben für die Untersuchung abgegeben. Insgesamt waren es 156 Proben: davon waren 64 Apfelproben und 8 Birnenproben positiv für E. amylovora. Zu erwähnen ist, dass vom Pflanzenschutzdienst nur Zweifelsfälle im Labor für die bakteriologische Untersuchung abgegeben wurden. Bei den Laboruntersuchungen konnte man klar die auslösende Blüteninfektion erkennen sowie das Fortschreiten der Infektion zu den nahe gelegenen Früchten und Ästen (Foto 1). Öfters waren aber nur kleinere Rindenerkrankungen, häufig mit Exsudataustritt, festzustellen (Foto 2) und gelegentlich war eine Triebinfektion als Schadbild zu erkennen.
Im Monat Juli wurden 35 Proben im Labor untersucht, wovon 12 Apfelproben und je 1 Probe von Birne und Cotoneaster positiv für Feuerbrand waren. Zu bemerken ist, dass die Zahl der neuen Fälle in den Erwerbsobstanlagen im Monat Juli stark rückläufig war, während ein Anstieg der entdeckten Feuerbrandfälle im Pustertal hauptsächlich auf die intensive Rasterinspektion des Pflanzenschutzdienstes zurück zu führen war. Die Symptome an den Birnbäumen im Streuobstbau waren meist so gut ausgeprägt, dass kaum die Probenentnahme für eine Bestätigungsanalyse nötig war.
Im August und September folgten dann insgesamt 46 Proben, wobei lediglich 8 Apfel-, 11 Birnen- und eine Weißdornprobe positiv für Feuerbrand waren. Es handelte sich hauptsächlich um Fälle im Streuobstbau im Pustertal.
Untersuchung der Fruchtfäulnisse am Apfel
Bei der Auslagerung der Ernte 2006 waren öfters Sonnenbrandschäden an der Fruchtschale zu erkennen. An den Sonnenbrandflecken haben in den meisten Fällen sekundär angesiedelte Wundparasiten (vorwiegend Alternaria sp. und Fusarium sp.) eine Fäule ausgelöst. Rußtau auf Lagerware von "Cripps Pink" stellte öfters ein Problem dar, hauptsächlich im Raum Terlan, Vilpian (hier auch bei den Sorten Fuji und Braeburn) und Leifers. Die Erscheinung erreichte ein Ausmaß von 3 % bis 15 %, im Schnitt ca. 6 %. Die Verpilzung durch die Rußtaupilze war hauptsächlich im Bereich der Stängelgrube und in der Kelchregion zu beobachten. Mit Rußtau befallene Früchte werden von der Sortiermaschine nicht erfasst und der wirtschaftliche Schaden erhöht sich somit durch die zusätzlichen Kosten der Handauslese. Bei den Pflückgängen vom 27.10. bis 5.11.2006, also im 2. und 3. Pflückgang, waren größere Schäden durch Rußtau zu verzeichnen.
An noch Baumhängenden Äpfeln konnte man im Berichtsjahr in bestimmten Anlagen ab Ende Juni einen Schaden durch "Lentizellose" erkennen, hauptsächlich an Früchten der Sorte Braeburn und Golden Delicious. Die Verursacher waren meist Bakterien vom Typ Pseudomonas syringae pv. syringae oder P. syringae pv. papulans. An "Red Delicious" war auch Kelchfäule bei noch am Baum hängenden Früchten zu beobachten, woraus die Pilzgattung Fusarium sp. und öfters auch weitere Wundparasiten isoliert werden konnten. Die Kelchfäule-Erreger konnten sich vermutlich leicht an den heuer ungewöhnlich lange an den Früchten klebenden Kelchblättern ansetzen und von dort aus eine Fruchtfleischfäule auslösen (Foto 3). Im Bereich der Kelchregion waren öfters auch punktförmige, braune bis schwarze, oft mit einem roten Halo umrandete Fruchtflecken zu beobachten, ohne dass man dort mikrobielle Schaderreger als Verursacher isolieren konnte. Diese physiologisch bedingten Schäden an Baumhängenden Apfelfrüchten sind vermutlich mit der warmen Witterung des Sommers 2007 in Verbindung zu bringen. Als Schadbild traten stippeartige Erscheinungen an der Fruchtschale auf, hauptsächlich bei den Sorten Gala, Red Chief und Fuji.
Sonderbare Missbildungen wie sie schon im Jahr 2006 auftraten, wurden an Red Delicious ab Juni im Bezirk Burggrafenamt beobachtet (Foto 4). Der Schaden bestand in einer längs gezogenen tiefen Furchung, ausgehend von der Stängelgrube über den ganzen Apfel bis zum Kelchkanal. In den meisten Fällen war ein Aufbrechen der Frucht die Folgeerscheinung. Die Besiedlung des bloßgestellten Fruchtfleisches durch harmlose Saprophyten wie Schimmelpilze und Hefen war nicht aufzuhalten. Diese Missbildung ist vermutlich mit der unsachgemäßen Ausbringung des Ausdünnungsmittels "Carbaryl" in Verbindung zu bringen.
Untersuchungen an Tilletiopsis sp., den Erreger von "Weißen Hauch" am Apfel
Unsere früheren Untersuchungen haben gezeigt, dass das Schadbild "Weißer Hauch" (WH) am Apfel von Pilzen der Gattung Tilletiopsis DERX (Ustilaginomycetes, Exobasidiomycetidae) verursacht wird. Unter bestimmten Voraussetzungen kann diese Pilzgattung an den Äpfeln eine helle, feine, engmaschige, mehrschichtige Myzelstruktur an der Kutikula ausbilden, die zäh an der Epidermis anhaftet und den Früchten einen unschönen Anblick verleiht. Die Folge ist eine Qualitätsverminderung der Ware. Von der Fruchtschale gewonnene Tilletiopsis-Isolate wurden noch im Jahr 2006 molekularbiologisch identifiziert. An einer Golden Delicious Frucht wurde der WH-Erreger als T. pallescens identifiziert, an Braeburn Früchten zwei Pilzisolate als Tilletiopsis sp. F-TB2005 und an "Topaz" aus einer biologisch bewirtschafteten Anlage wurde der Erreger als Tilletiopsis "species nova" identifiziert, also eine Art, die derzeitig noch keiner der in den Datenbanken vorhandenen Spezies zugeordnet werden konnte.
Im Jahre 2007 wurden Untersuchungen in Angriff genommen, um etwas mehr Einblick in die Biologie des Brandpilzes zu erhalten sowie Möglichkeiten zur Bekämpfung des WH-Symptoms auf der Frucht zu finden. Bekanntlich besitzt Tilletiopsis die Eigenschaft, in seiner Hyphen-Phase in Anwesenheit hoher Luftfeuchtigkeit die auf den Sterigmatas aufsitzenden Ballistokonidien abzuschleudern. Diese Eigenschaft der Exobasidiomycetidae wurde in den Untersuchungen für die Gewinnung neuer Tilletiopsis-Isolate genutzt; mit dieser so genannten "Sporenfallmethode" ("spore-fall method") war es möglich von der Oberfläche von Früchten, Blättern und Rinde, den WH-Erreger zu isolieren. Dabei wurden mit Hilfe eines Korkbohrers kleine "Plugs" von der Frucht, Blatt und Rinde ausgestanzt und auf die Innenseite des Deckels einer umgedrehten Petrischale gelegt, die mit Isolationsmedium PDA-pH7 gefüllt war. Die Petrischalen wurden mit Parafilm verschlossen und bei 26 °C im Dunkeln inkubiert. Wichtig dabei war, dass es im Inneren der Petrischale tropfnass war, damit es zum Abschleudern der Ballistokonidien kommen konnte. Die Ballistokonidien gelangen so nach dem Abschleudern zum darüber befindlichen Nährmedium, wo sie zu einer Kolonie auskeimen. Man konnte beobachten, dass die von Ballistokonidien produzierten Kolonien stets als Hefe-Kolonien auskeimten, im Unterschied zu den früheren Isolierungsversuchen mit der "maceration-diluition plating" Methode, wo die Kolonien stets vom Hyphen-Typ waren. Wegen dieses Dimorphysmus wurde die Gattung Tilletiopsis DERX im Hefe-Stadium taxonomisch zu den Blastomycetes, Sporobolomycetales, Sporobolomycetaceae zugeordnet.
In einer biologisch bewirtschafteten Anlage wurden im Laufe der Saison mit der Sporenfall-Methode von der Apfelsorte Topaz neue Tilletiopsis-Isolate von Früchte- Blatt- und Rindenproben gewonnen, obwohl keinerlei sichtbare Anzeichen vom WH-Befall zu beobachten waren. Die Tilletiopsis-Isolate wurden dann an Hand ihrer Kolonienmorphologie für die molekularbiologische Identifizierung und taxonomische Zuordnung gruppiert. Diese Arbeit ist noch nicht abgeschlossen.
Ein Teil der Topaz-Anlage wurde ab Juli in 7-tägigen Abständen mit einem kupferhaltigen Pflanzenschutzmittel (Kocide 2000) und ein weiterer Teil der Anlage mit Schwefelkalkbrühe bis zur Erntezeit behandelt. Es stellte sich heraus, dass die Behandlung mit Kupfer in der Apfel-Phyllosphäre eine klare Senkung der Tilletiopsis-Dichte bewirkte, während dies bei Behandlungen mit der Schwefelkalkbrühe nicht der Fall war (Foto 5). Zur Erntezeit war aber in der gesamten behandelten und unbehandelten Topaz-Anlage an den Früchten kaum ein sichtbarer Befall durch den "Weißen Hauch" zu verzeichnen. Es bleibt also immer noch die Frage offen, welcher auslösende Faktor für die Erscheinung des "Weißen Hauchs" am Apfel ausschlaggebend ist.
Physiologische und parasitäre Rindenschäden am Apfel
Im Laufe des Frühjahrs 2007 wurde eine große Anzahl an Proben zur Untersuchung von Veränderungen oder Schädigungen der Rinde von Apfelbäumen abgegeben. Hauptsächlich an einjährigen Trieben der Sorten Gala und Red Delicious konnte man Symptome ähnlich dem so genannten Blasenrinden-Symptom ("blister bark") sowie dem Papierbast-Symptom ("papery bark") erkennen. Diese Schädigungen waren häufig mit einer Triebspitzenwelke verbunden. Als mögliche mikrobielle Verursacher dieses Rindenschadens konnte man im Labor niemals Pilze oder Bakterien am geschädigten Gewebe isolieren. Auch scharf abgegrenzte, schuppenartige Erscheinungen an der Rinde, ähnlich dem "scaly bark"- Symptom, waren an mehrjährigen Ästen und an den Stämmen gleichfalls des Öfteren zu beobachten (Foto 6). Ein Befall durch Viren oder Virus-ähnlichen Krankheiten als mögliche Verursacher konnte ausgeschlossen werden, da solche Rindenschäden erfahrungsgemäß nur in bestimmten Jahren und unter bestimmten Voraussetzungen auftreten und die Schadsymptome sich nicht alle Jahre an denselben Pflanzen wiederholen. Auch ein Bor-Mangel und Mangan-Überschuss konnte hier an Hand der chemischen Bodenanalysen als Ursache ausgeschlossen werden.
Bei den ersten beiden angeführten Schaderscheinungen könnte es sich durchaus um physiologisch bedingte Schäden handeln, in Folge des Witterungsverlaufes im Winter und Frühjahr 2006-2007. Im Herbst 2006 und im Winter 2006/07 war die Witterung ungewöhnlich warm und trocken. Die Temperaturen lagen weit über dem Durchschnittswert und in vielen Orten konnten im Monat Jänner sogar Temperaturrekorde verzeichnet werden. Der Monat Februar war einer der wärmsten bisher. Auch der Frühling 2007 begann viel zu mild und der Monat April war einer der wärmsten überhaupt, während die Niederschlagmenge immer noch deutlich unter dem Durchschnittswerten lag. Der Mai verlief ebenfalls sehr warm mit fast sommerlichen Temperaturen, unterbrochen von einem kurzen, aber intensiven Kaltlufteinbruch gegen Monatsmitte, sodass stabile und warme Wetterperioden sich mit unbeständigen und kalten abwechselten. Die hohen Winter- und Frühlingstemperaturen bewirkten ohne Zweifel eine frühzeitige Erwärmung des Bodens. Dies könnte die Wurzeln angeregt haben, Wasser aktiv nach oben zu befördern (Wurzeldruck). Da aber zu dieser Zeit die Blattmasse am Baum noch gering oder überhaupt noch nicht vorhanden war, konnte der überhöhte Wasserdruck durch Transpiration oder Guttation nicht entweichen. Eine Folge davon könnte ein Aufplatzen der Parenchymzellen durch Hypertonie gewesen sein, was zu einem Ödem an der Rinde geführt hat. An den einjährigen Trieben der betroffenen Pflanzen löst sich durch das Absterben der geplatzten Zellen die äußere Korkschicht von der darunter stehenden primäre Rinde und das führt zu einem Schadbild, welches als Papierbast-Symptom ("papery bark") bezeichnet wird. Die Symptome blister bark und papery bark konnten auch an Fuji und Golden Delicious Bäume festgestellt werden.
Im Berichtsjahr konnte, wie schon erwähnt, auch öfters "Schuppenrinde" ("scaly bark") an 2-3-jährigen Ästen und Stämmen an den Sorten Mairac, Rosy Glow, Gala und Braeburn beobachtet werden. Auch hier handelte es sich mit größter Wahrscheinlichkeit um einen physiologisch bedingten Schaden. Eine genaue Erklärung dafür fehlt noch, aber möglicherweise war auch hier der auslösende Faktor das trockene Klima während der kalten Jahreszeit.
Rindenschäden durch parasitäre Schaderreger kamen im Verlauf des Jahres im Bereich der Unterlage-Veredlungsstelle häufig vor. An den entsprechenden Proben wurden wie üblich die zwei wichtigsten in Südtirol vorkommenden Rindenbranderreger isoliert, die Pilze Phomopsis mali und Sphaeropsis malorum. Beide Spezies besitzen bekanntlich einen eher niederen Virulenzgrad; es ist daher anzunehmen, dass sich beide Pilze nur auf bereits vorgeschädigtem Gewebe, etwa durch Winterfrost oder Wasserstress, ansiedeln und deshalb hier eher als Schwächeparasiten anzusehen sind.
Diagnostik 2006
Phytopathologische Diagnostik - Jahresbericht 2006
Im Berichtsjahr wurden am Versuchszentrum Laimburg, Labor für Virologie und Diagnostik, rund 200 Pflanzenproben wegen Schädigungen durch mikrobielle Krankheitserreger an Pflanzen und Früchten untersucht und der entsprechende Diagnosebericht ausgestellt. Insgesamt 49 Proben wurden wegen des Verdachts auf Feuerbrand eingereicht, die übrigen Proben stammten aus dem Kern- und Steinobstanbau, Gemüse- und Zierpflanzenbau und aus dem Rebenanbau. Über die wichtigsten Untersuchungen wird hier nachfolgend kurz berichtet.
Feuerbrand Untersuchungen im Jahr 2006
Die Feuerbrandfälle, die in den bis dahin noch befallsfreien Gebieten Südtirols im Jahr 2005 festgestellt worden waren, hatten anscheinend Folgen. In den Gemeinden Terenten und St. Lorenzen im Pustertal, also nicht weit entfernt von den im Vorjahr stark betroffenen Gemeinden Brixen und Natz-Schabs gelegen, konnten im Jahr 2006 erstmals an einzelnen, sehr alten großkronigen Birnbäumen Krankheitssymptome des Feuerbrandes festgestellt werden (Foto 1). Vermutlich sind diese Pflanzen bereits im Jahr zuvor erkrankt, der Befall wurde aber erst im Berichtsjahr bemerkt. In Natz-Schabs/Raas wurde noch im Spätsommer in einer Golden-Delicious-Anlage im ersten Standjahr, starker Befall festgestellt. Auch am Tschögglberg, in den Gemeinden Vöran und Mölten, wurde Feuerbrand beobachtet und zwar wiederum an sehr alten, einzeln stehenden Birnbäumen (Streuobst). Aber auch im darunter liegenden Etschtal, bei Gargazon, wurde ein Fall in einer Granny Smith-Ertragsanlage registriert. Diese Gemeinde war bisher vom Feuerbrand verschont geblieben und die Bakterieninfektion blieb erstaunlicherweise nur auf einen einzigen Baum beschränkt. Die übrigen Fälle betrafen den Vinschgau, und zwar Laas/Tschengls und Latsch (Tab. 1). Betroffen waren dabei ausschließlich Apfelbäume der Sorte 'Pinova'; diese hat sich unter unseren Klima- und Anbaubedingungen als hoch anfällig erwiesen. Aufgrund des starken Befalles musste eine Ertagsanlage sogar vollständig gerodet werden. Insgesamt wurden bis zu Jahresende 1.299 Pflanzen gerodet und verbrannt.
Die Untersuchung der feuerbrandverdächtigen Pflanzenproben hatte im Berichtsjahr bereits sehr früh begonnen, da schon im Frühjahr gleich nach dem Austrieb etliche Apfelbäume in den Ertragsanlagen der Talsohle einen verdächtigen Saftaustritt an den Schnittstellen und im Bereich der Unterlage und Stamm aufwiesen. Der Saftaustritt war aber physiologisch bedingt, vermutlich ausgelöst durch die Witterungsverhältnisse. Im Monat April war es überdurchschnittlich warm, die frühzeitige Bodenerwärmung und die reichliche Wasserversorgung im Boden bewirkten einen starken osmotischen Druck in den Leitbahnen. Das hatte auch öfters eine Triebspitzenwelke, Papierbast und Blasenrindensymptome an den Ästen zur Folge, hauptsächlich an anfälligen Sorten wie 'Gala' und 'Stark Delicious'. Bei einigen Proben konnte auch, in der Rolle des Schwächeparasiten, der Blütenbranderreger Pseudomonas syringae pv. syringae am Rindengewebe isoliert werden.
Die ersten, tatsächlich durch Erwinia amylovora infizierten Proben, wurden im Jahr 2006 erst am 27. Juni abgegeben. Die Pflanzenproben stammten von einzelnen, über 50 Jahre alten Birnbäumen, die als Streuanpflanzungen in den hoch gelegenen Gemeinden Vöran und Ritten/Maria Saal ihren Standort hatten. Im Monat Juli und August folgten dann die meisten Proben des Jahres mit positivem Befund für Erwinia amylovora. Insgesamt wurden 49 Proben wegen Verdacht auf Feuerbrand dem Labor eingereicht, davon waren 23 positiv für Erwinia amylovora.
Lagerfäule bei Gala durch Alternaria alternata
Sowohl bei der Auslagerung der vorjährigen Ernte im Frühjahr, als auch bei der Auslagerung der Ernte 2006 im Herbst, wurde an der Sorte 'Gala' eine neuartige Lagerfäule festgestellt. Als Schadbild wurde eine unregelmäßig geformte, ausgedehnte Braunfäule beobachtet, die in ihrem Bereich auch mehrere dunkelbraune bis schwarzfarbene Faulstellen aufwies (Foto 2). Auch das betroffene Fruchtfleisch war gekennzeichnet durch eine tief ins Innere greifende Läsion, eine hellbraun bis dunkelbraune Verfärbung des Gewebes und schwarze Faulflecken die unterhalb der Lentizellen positioniert waren. Die Fruchtschale war an der Faulstelle etwas eingesunken und die Fäule selbst war weich und wässrig in ihrer Konsistenz (Foto 3). Je nach Herkunft der eingelagerten Partien war der Befallsausmaß oft beträchtlich.
Bei der Isolation aus dem nekrotischen Gewebe des Fruchtfleisches wuchs, als mutmaßlicher Erreger des Schadens, die Pilzart Alternaria alternata heran. Bei den gezielten Isolationen konnte feststellt werden, dass die heranwachsenden Kolonien aus den hellbraunen Faulstellen einerseits, und aus den tiefschwarzen Faulstellen anderseits, morphologisch verschieden waren (Foto 4). Aus den braunen, eher hellfarbigen Gewebepartien, wuchs im PDA-Nährmedium eine A. alternata-Kolonie vorwiegend vom Typ A (nach Roberts), mit sehr kompaktem, dunkelfärbigen, tiefgrünen Myzel aber mit überaus zahlreich vorhandenen Konidien, die unter mikroskopischer Beobachtung hellgrün und glänzend schimmerten. Hingegen waren die von den schwarzfarbigen Gewebepartien isolierten Alternaria alternata Kolonien meistens vom Typ B, charakterisiert durch üppiges Wachstum und grau-grünliches, luftiges Myzel mit einer geringer Anzahl von Konidien, die dunkel-olivgrün und etwas kleiner als gewohnt bei der mikroskopischer Untersuchung erschienen. Die A. alternata Pilztypen A und B wurden in einem Infektionsversuch auf 'Gala'-Früchten auf Pathogenität geprüft. Lediglich Typ B konnte nach 6 Tagen Bebrütung bei Zimmertemperatur in einer feuchten Kammer an den angestochenen und mit Myzel infizierten Früchten, eine Fruchtfleischfäule verursachen. In weiteren Untersuchungen soll nun geklärt werden, ob diese Fleischfäulnis induzierenden Pilzisolate auch imstande sind, ein artspezifisches Phytotoxin zu produzieren.
Parasitäre Lagerschäden durch Alternaria alternata sind altbekannt und ihr Vorkommen wird bei der Auslagerung der in CA-ULO gelagerten Partien seit jeher beobachtet. Als Wund- oder Schwächeparasit induziert A. alternata im Normalfall eine typische, eingesunkene, nicht tief ins Fruchtfleisch greifende tiefschwarze Trockenfäule, die fast immer im Bereich einer alten Druckstelle oder auf durch Sonneneinstrahlung beschädigter Epidermis erscheint (Foto 5). Ein weiteres, immer durch A. alternata induziertes Schadbild ist die so genannte "Lentizellen-Nekrose", die normalerweise an noch am Baum hängenden Früchten auftreten kann, aber auch nicht selten erst bei der Lagerung wahrgenommen wird. Diese Beschädigung der Lentizellen wird durch einen speziellen Pathotyp von A. alternata ausgelöst ("Apple Pathotype"). Dieser Typ ist nämlich imstande, ein Pflanzen- schädigendes, artspezifisches Phytotoxin zu produzieren, wie die Untersuchungen am Versuchszentrum Laimburg gezeigt haben. Der Schaden erfasst ausschließlich die Lentizelle und es entsteht lediglich eine begrenzte Trockenfäule (Foto 6). Die an der Sorte Gala beschriebene Lagerfäule ist hingegen neuartig, da die Faulstellen weit ins Fruchtfleisch greifen und tief eindringen. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die vielen noch offenen Fragen zu klären.
Auf den durch Sonnenbrand beschädigten Früchten der Ernte 2005 war im Berichtsjahr bei der Auslagerung ebenfalls des Öfteren ein Befall durch A. alternata zu beobachten. Das Schadbild war typisch für A. alternata, hier lediglich in der Rolle eines Schwächeparasiten; an der Fruchtschale konnte man eingesunkene, tiefschwarze Faulstelle erkennen, die aber nie tief ins Fruchtfleisch eindrangen. Die Sorte 'Gala' war wiederum am häufigsten betroffen.
Untersuchungen der parasitären Lagerschäden bei Apfel
Lagerfäulnisse, die durch pilzliche Fruchtfäuleerreger an Apfelfrüchten ausgelöst wurden, sind im Berichtsjahr wiederholt und im unterschiedlichen Ausmaß vermerkt worden. Häufigkeit und Ausmaß des Auftretens der Fäulniserreger standen in Bezug zu den Witterungseinflüssen bei der Ernte, zu dem vorhandenen Fungizidbelag und zu den Infektionsquellen im Feld bzw. im Lager. Die Infektionsquellen der am häufigsten vorkommenden Schaderreger Phytophthora cactorum, Gloeosporium album (syn. Phlyctema vagabunda) und Monilia fructigena befinden sich fast ausschließlich in den Obstanlagen. Hingegen sind die Erreger der Stängel- und Kelchgrubenfäule Penicillium expansum und Botrytis cinerea nicht selten ein Problem im Bereich der Lagerung, wo heranfaulende Früchte mit ihren Sporen die Emballagen, Großkisten, Sortiermaschinen und Lagerräume belasten. Im Berichtsjahr erwiesen sich bei der Auslagerung der Ernte 2005, hauptsächlich Phytophthora cactorum und Gloeosporium album als größtes Lagerfäule-Problem. Hier einige Bemerkungen zu den zwei Schaderregern.
Phytophthora cactorum: Bei der Auslagerung der Ernte 2005 und auch bereits der Ernte 2006, konnten bei Gala mehrere Fälle an Lagerfäulnissen verzeichnet werden, wo Phytophtora cactorum der alleinige Verursacher war. Wie schon in den Jahren zuvor, waren wiederum die Sorten 'Gala', 'Golden Delicious' und 'Red Delicious' am stärksten betroffen. Bei der Isolation von Phytophthora cactorum kam es wiederum zu den bereits aus dem Vorjahr bekannten Schwierigkeiten, den Schaderreger im künstlichen Nährmedium anzuzüchten, vor allem, wenn er von länger eingelagerter Ware stammte. In diesen Fällen ist eine Diagnose nur anhand der mikroskopischen Untersuchung der faulen Gewebepartien möglich, da stets das typische coenotische Myzel gut zu erkennen ist. Es bleibt aber weiterhin ungeklärt, ob es sich hier um einen Verlust der Kultivierbarkeit seitens des Pilzes handelt, ausgelöst durch Alterungsprozesse aufgrund längerer Haltung bei niederen Lagertemperaturen, so wie es bei Bakterien bekannt ist ("viable but non culturable"), oder ob es sich hier wiederum, wie schon im Vorjahr beobachtet, um eine untypische Art von Phytophtora sp. handelt. An kurzfristig gelagerter Ware konnte hingegen P. cactorum problemlos isoliert und im Nährsubstrat kultiviert werden. P. cactorum wird durch die üblichen Abschlussbehandlungen nicht erfasst. Der Pilz ist als Kragenfäule-Erreger an den anfälligen Apfelunterlagen MM106 und M26 bekannt, während die schwach wachsende Unterlage M9 als widerstandsfähig gilt. Obstanlagen, die auf M9 veredelt sind, haben keine Probleme am Baumstamm selbst; diese Tatsache hält jedoch den Schaderreger von der Anlage nicht fern. Das gegen P. cactorum wirksame Mittel Aluminium-Fosetyl ('Aliette' u. a.) hat eine niedrige Rückstandshöchstmenge, die Karenzzeit beträgt 75 Tage. Die einzige Möglichkeit den Infektionsdruck im Rahmen zu halten, besteht also in der sorgfältigen Entfernung aller am Boden liegenden Apfelfrüchten. Da der Erreger auch durch Erdverschmutzte Großkisten ins Lagerhaus gelangt, sollten die Großkisten von einer Erdverschmutzung in den Obstanlagen möglichst geschützt werden. Eine Phytophthora-Fäule kann auch erst nach der Vermarktung auftreten. Solche Fälle hinterlassen beim Konsumenten einen schlechten und nachhaltigen Eindruck und veranlassen ihn zum Ankauf anderer Obstarten.
Gloeosporium album: Der Erreger der Bitterfäule ("Bull's-Eye Rot") kommt hauptsächlich an der Sorte 'Golden Delicious' vor, aber auch die Sorte 'Pinova' bleibt nicht verschont. Der Pilz überlebt am Baum als Saprophyt an alten Schnittwunden und abgestorbenen Zweigstummeln, wo die Sporen heranreifen. Die Infektion erfolgt vorwiegend über die Lentizellen, also noch im Feld, normalerweise kurz vor der Ernte und nach längeren Regenfällen. Der Ausbruch in Form einer Fäule findet an der Lagerware erst ab Januar statt. Nicht selten bilden sich die Faulstellen erst nach der Vermarktung der Ware, mit denselben negativen Auswirkungen beim Konsumenten wie bei Phytophthora-Fäule.
Der September 2005 war in Südtirol von häufigen Schlechtwetterperioden gekennzeichnet. Der Witterung anfangs Oktober war ebenfalls recht kühl und regnerisch, gefolgt von milden Temperaturen, welche sich ideal für Pilz-Infektionen auswirkten. Diese Situation hatte zur Folge, dass etliche 'Golden Delicious'- und 'Pinova'-Partien bei der Auslagerung der Ware im Frühjahr 2006 Bitterfäule aufwiesen.
Weitere Lagerschäden wurden auf 'Red Delicious' durch Monilia fructigena verursacht.