Auftreten und Befallsrisiko

Auftreten und Befallsrisiko

 Unter „Präsenz“ versteht man generell die Anwesenheit von H. halys an einem bestimmten Standort oder einem bestimmten Gebiet, in welchem sich die Art etabliert hat. In Obstanlagen kann H. halys ebenfalls „präsent sein“: Ihr Vorkommen kann beobachtet werden, z. B. auf dem Hagelnetz im Frühjahr, doch es finden sich keine Hinweise auf Reproduktionsaktivität (Funde von Eigelege oder Jungstadien) und Fruchtschäden im Zuge der Saugaktivität.

Bei einem „sporadischem Befall“ wandern Adulttiere zufällig und ungerichtet, oft auch wiederholt, in die landwirtschaftliche Kultur ein. Anstiche an Früchten sind vereinzelt und unregelmäßig zu beobachten.

Bei einem „aktiven Befall“ kommt es zu einer gezielten Einwanderung von Adulttiere in die Kultur (z. B. Apfel), welche sich in den Anlagen reproduzieren und ernähren. Man findet Eigelege und juvenile Stadien (Nymphen). Im Zuge dessen werden vermehrt Schäden an den Früchten beobachtet.

Fragen:

1.       Wo in einer Apfelanlage kann man am ehesten „präsente“ Individuen, einen sporadischen oder aktiven Befall beobachten?

2.       Wann und wo ist H. halys außerdem noch anzutreffen?

3.       Ist angrenzend an öffentliches Grün oder Hausgärten, welche Früchte tragen, häufiger/ständig mit aktivem Befall am Apfel zu rechnen?

4.       Gibt es neben dem Apfel weitere Kulturen, an denen es  mit höherer Wahrscheinlichkeit zu einem Befall mit Schadensfolge kommen könnte?

5.       Unterscheiden sich die Apfelsorten in Bezug auf ihre Anfälligkeit gegenüber Befall durch H. halys?

6.       Kann es in Apfelanlagen von stark befallenen Grenzreihen aus zu einem aktivem Befall der gesamten Anlage kommen? Wenn ja, wann?

7.       Sind Obstanlagen, die in der Talmitte liegen und die von anderen Obstanlagen umgeben sind, also keinen Anschluss an Wildwirte, an urbane Wirtspflanzen oder Grenzreihen mit Präsenz haben, einem geringeren Befallsrisiko ausgesetzt?

8.       Können Einsaaten im Unterwuchs das Befallsrisiko erhöhen?

Antworten:

 

1.       Wo in einer Apfelanlage kann man am ehesten „präsente“ Individuen, einen sporadischen oder aktiven Befall beobachten?

Nach der Phase der Überwinterung kann die „Präsenz“ der Marmorierten Baumwanze unter anderem auch in den Apfelanlagen beobachtet werden (z. B. auf dem Hagelnetz). Die Tiere sind zufällig und für kurze Zeit in den Anlagen verteilt. Im Herbst kommt es zu einem erhöhten Aggregationsverhalten: Die Tiere sammeln sich, um gemeinsam ideale Winterquartiere aufzusuchen. Auch in dieser Phase können vermehrt Exemplare an den Apfelbäumen, v. a. im Gipfelbereich, und an den Hagelnetzen beobachtet werden.

Ein „sporadischer Befall“ hängt v. a. von Habitatstrukturen in der näheren Umgebung der Obstanlagen ab. Urbanes Grün oder andere, nicht landwirtschaftlich genutzte Flächen, in denen die Wanzen geeignete Wirtspflanzen finden, können zu einem erhöhten, aber ungerichteten Einflug in bestimmte Bereiche nahegelegener Anlagen führen. Individuen und eventuelle Saugschäden sind in den Randreihen zu beobachten.

Welche Faktoren einen „aktiven Befall“ der Apfelanlagen begünstigen, muss erst noch herausgefunden werden. Auch hier können Befallsherde in der näheren Umgebung eine wichtige Rolle spielen. Individuen (Eier, Nymphen und Adulte) und Fruchtschäden sind bei einem laufenden Aktiv-Befall mehr oder weniger gleichmäßig in der Anlage verteilt. Eine solche Situation wurde im vergangenen Jahr (Saison 2018) nur selten beobachtet.  

 

2.       Wann und wo ist H. halys außerdem noch anzutreffen?

H. halys ist laut Erfahrungen aus dem norditalienischen Raum während der gesamten Vegetationsperiode aktiv. Besonders die klimatischen Bedingungen in den besiedelten Gebieten haben einen großen Einfluss auf die Reproduktionsrate innerhalb eines Jahres. Vorläufige Beobachtungen deuten darauf hin, dass in manchen Gebieten Südtirols zwei Generationen pro Jahr möglich sind.  Das Versuchszentrum Laimburg untersucht diese Annahme über kontrollierte Versuche im Freiland an verschiedenen Standorten.  

 Die Marmorierte Baumwanze weist außerdem  ein breites Wirtsspektrum auf: Man findet sie in öffentlichem Grün an verschiedenen Laubgehölzen wie z. B. Ahorn, Götterbaum, Efeu, Hopfen oder Haselnuss, aber auch in Hausgärten an diversen Obstbäumen, Zitrusfrüchten oder Gemüse sowie auf begrünten Terrassen. Für eine optimale Entwicklung benötigt H. halys ein breites Nahrungsspektrum. So zeigten Laborversuche, dass ein alleiniges Angebot an Apfel die Sterberate deutlich erhöhte. Die Attraktivität der Wirtspflanzen ist abhängig vom Nahrungsangebot, wobei reifende Früchte besonders anziehend wirken. Darum werden die Wirtspflanzen auch zeitlich unterschiedlich besiedelt.  Aus diesem Grund kann die Baumwanze zu unterschiedlichen Zeitpunkten an verschiedenen Wirtspflanzen beobachtet werden. Das Versuchszentrum Laimburg untersucht derzeit die Attraktivität von möglichen Wirtspflanzen in naturnahen Standorten, um daraus mögliche Risikofaktoren für angrenzende Apfelanlagen auf lokaler Ebene abzuleiten.  

Im Herbst beginnt das adulte Tier, meist in Gruppen, geeignete Überwinterungsquartiere aufzusuchen, um die kalte Jahreszeit zu überstehen. An geschützte Stellen im Außenbereich wie z. B. in Rollädenkästen, auf Totholz, Palletten oder anderen Gebinden, aber auch in Dachvorbauten, Lagerhallen, Holzschuppen und Wohnungen können die inaktiven Tiere beobachtet werden.  

 

3.       Ist angrenzend an öffentliches Grün oder Hausgärten, welche Früchte tragen, häufiger/ständig mit aktivem Befall am Apfel zu rechnen?

Verschiedene Untersuchungen aus benachbarten Regionen deuten darauf hin, dass Obstanlagen und andere landwirtschaftliche Nutzflächen in der Nähe von attraktiven Wirtspflanzen, an denen eine vermehrte Reproduktion von H. halys stattfindet, ein erhöhtes Befallsrisiko (H. halys wird häufiger beobachtet) aufweisen. Als hoch attraktive Kulturpflanzen gelten v. a. Soja, aber auch Mais und Pfirsich. Die Ermittlung von Faktoren, welche zu einem „sporadischen“ oder „aktiven“ Befall in den Obstanlagen in unserer Region führen können, sind derzeit Gegenstand der Forschung am Versuchszentrum Laimburg.

4.       Gibt es neben dem Apfel weitere Kulturen, an denen es  mit höherer Wahrscheinlichkeit zu einem Befall mit Schadensfolge kommen könnte?

Sowohl Trauben als auch Kirschen und Marillen werden von H. halys als Nähr- und Reproduktionswirte genutzt. Laut Literatur scheint eine starke Präsenz von H. halys in den Rebanlagen zu keinen wirtschaftlichen Einbußen (z. B. durch Befall durch Sekundärpathogene) zu führen. Ertragsanlagen von Marillen liegen in Südtirol v. a. in höheren Lagen, in welchen bis dato noch kein starkes Vorkommen von H. halys beobachtet worden ist. Trotz einer erhöhten Attraktivität der Kirschen sind die Ertragsanlagen in Südtirol größtenteils durch Insektenschutznetze bestückt. Dies könnte laut Erfahrungen mit Einnetzungen gegen die asiatische Baumwanze einem aktiven Befall von H. halys und Schäden vorbeugen.

 

5.       Unterscheiden sich die Apfelsorten in Bezug auf ihre Anfälligkeit gegenüber Befall durch H. halys?

Bis heute gibt es keine wissenschaftlich fundierten Belege, welche darauf hinweisen, dass verschiedene Apfelsorten unterschiedlich attraktiv auf H. halys wirken. Ob eine Sorte stärker befallen wird als eine andere, hängt neben anderen Risikofaktoren vermutlich vom Zeitpunkt der Reife ab. Generell scheint der Apfel jedoch im Vergleich zu anderen Kulturen wie Birne, Pfirsich, Soja und Mais eine geringere Attraktivität als Wirtspflanze aufzuweisen.

 

6.       Kann es in Apfelanlagen von stark befallenen Grenzreihen aus zu einem aktivem Befall der gesamten Anlage kommen? Wenn ja, wann?

Faktoren, welche einen aktiven Befall in den Anlagen auslösen könnten, bzw. einen solchen begünstigen, sind derzeit Gegenstand verschiedener Untersuchungen am Versuchszentrum Laimburg. Zu welchem Zeitpunkt die Marmorierte Baumwanze Apfelanlagen gerichtet ansteuert und ob diese vermehrt als Reproduktionsstätte genutzt werden wird aktuell untersucht. Aus diesem Grund ist eine gezielte Überwachung umso wichtiger

 

7.       Sind Obstanlagen, die in der Talmitte liegen und die von anderen Obstanlagen umgeben sind, also keinen Anschluss an Wildwirte, an urbane Wirtspflanzen oder Grenzreihen mit Präsenz haben, einem geringeren Befallsrisiko ausgesetzt?

Die Besiedelung hängt definitiv mit der in der Umgebung vorhandenen Individuendichte zusammen. Höhere Dichten finden sich während der Sommermonate hauptsächlich an den Rändern der Obstbauanagen (z.B. angrenzend zu Wildwirten). H. halys zeichnet sich aber auch durch eine gut ausgeprägte Flugfähigkeit aus. Versuche zeigten, dass v. a. in der frühen Vegetationsperiode und am Ende der Saison das Verhalten weitere Strecken (über 5 km) zu fliegen, ausgeprägter ist. Laut Berichten aus anderen Regionen scheint der Apfel weniger attraktiv zu sein, als andere Wirtspflanzen. In welchem Ausmaß und zu welchem Zeitpunkt Apfelanlagen aktiv besiedelt werden, welche nicht den bis dato bekannte Risikofaktoren (Nähe zu Wildwirten) ausgesetzt sind, muss untersucht werden

 

8.       Können Einsaaten im Unterwuchs das Befallsrisiko erhöhen?

Erste Beobachtungen zeigten, dass Einsaaten, welche Leguminosen, wie z.B. Soja oder Wicke enthalten eine erhöhte Besiedelung von H. halys zur Folge haben können. Werden die Einsaaten gemulcht oder dörren diese bei trockenen Perioden aus, könnte dies ein Abwandern der darauf angesiedelten Populationen zur Folge haben und ein erhöhtes Risiko für einen aktiven Befall der Anlage darstellen.