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Wuchsstörungen im Weinbau: Laimburg-Forscher mit Preis der Amerikanischen Chemischen Gesellschaft ausgezeichnet

2015 verursachten Wuchsstörungen enorme Ertragsausfälle im Weinbau in Südtirol und anderen europäischen Ländern. Das Versuchszentrum Laimburg konnte die Ursachen der Wuchsstörungen aufklären und hat die Ergebnisse in einer wissenschaftlichen Publikation weltweit bekannt gemacht. Nun ist der Artikel von der Amerikanischen Chemischen Gesellschaft (AGRO Division) zum „Research Article of the Year“ gewählt worden.

Die Publikation des Forscherteams um Michael Oberhuber und Peter Robatscher zu den Wuchsstörungen im Weinbau wurde mit dem „The Journal of Agricultural and Food Chemistry Research Article of the Year Award“ ausgezeichnet. ©VZL

Die Forschungsergebnisse des Versuchszentrums Laimburg kommen in erster Linie der Südtiroler Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung zugute, erregen aber auch international Aufsehen.
Jüngst wurde ein interdisziplinäres Forscherteam um Chemieexperte Peter Robatscher und Laimburg-Direktor Michael Oberhuber (selbst Chemiker) für ihre Forschung zu den Wuchsstörungen im Weinbau ausgezeichnet, die im Jahr 2015 in Südtirol und anderen Ländern in Europa zu großen Ertragsausfällen geführt hatten.
In Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau war es dem Versuchszentrum Laimburg damals gelungen, die Ursachen für die Wuchsstörungen aufzuklären. In der Folge wurden die Laimburger Forschungsergebnisse zu diesem Thema in verschiedenen Fachzeitschriften und bei Kongressen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene vorgestellt, wie jüngst in der renommierten amerikanischen Fachzeitschrift Journal of Agricultural and Food Chemistry. Für die Publikation sind die Laimburger Wissenschaftler um Peter Robatscher und Michael Oberhuber nun von der Amerikanischen Chemischen Gesellschaft (ACS) mit dem „The Journal of Agricultural and Food Chemistry Research Article of the Year Award“ im Bereich Landwirtschafts- und Lebensmittelchemie ausgezeichnet worden.
Unter normalen Umständen hätten Michael Oberhuber und Peter Robatscher stellvertretend für das gesamte Forscherteam die Auszeichnung anlässlich des „National Fall Meetings“ der Amerikanischen Chemischen Gesellschaft in San Francisco entgegengenommen. Coronabedingt wurde die Konferenz jedoch virtuell abgehalten. Auch die Preisverleihung am Donnerstag, 20.08.2020 fand im Rahmen eines digitalen Events statt, an dem das Forscherteam vom Felsenkeller des Versuchszentrums Laimburg aus teilnahm.

The Journal of Agricultural and Food Chemistry Research Article of the Year Award
Im Jahr 2019 waren insgesamt 1.446 Artikel im Journal of Agricultural and Food Chemistry Research publiziert worden. Die Publikation zu den Wuchsstörungen im Weinbau der Experten des Versuchszentrums Laimburg und ihrer Kollegen vom Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau wurde von der AGRO Division der Amerikanischen Chemischen Gesellschaft zum besten Paper gewählt.  Die Amerikanische Chemische Gesellschaft (American Chemistry Association, ACS) vergibt diese Auszeichnung seit 2013 jedes Jahr für herausragende Forschungsarbeiten in den Bereichen Agrikultur- und Lebensmittelchemie.


„Das Versuchszentrum Laimburg war 1975 mit dem Ansinnen gegründet worden, eine praxisbezogene Versuchsanstalt für die Südtiroler Landwirtschaft einzurichten. Inzwischen hat sich das Versuchszentrum weiterentwickelt und auch international an Bedeutung gewonnen. Auf Forschung und Innovation zu setzen und den Tätigkeitsbereich des Versuchszentrums auf die Lebensmittelqualität und -verarbeitung auszuweiten, hat sich bezahlt gemacht“, erklärte der für das Versuchszentrum zuständige Agrarlandesrat Arnold Schuler: „Das zeigt nicht zuletzt diese internationale Auszeichnung, zu der ich den Forschern des Versuchszentrums herzlich gratuliere.“

„Am Versuchszentrum Laimburg legen wir großen Wert auf den Praxisbezug; die enge Zusammenarbeit mit unseren Stakeholdern, der landwirtschaftlichen Praxis, liegt in unserer DNA. Nur so sehen wir, wo die Probleme liegen und können sofort darauf reagieren – wie eben damals mit einer schnell einberufenen Task Force auf die Wuchsstörungen. Gleichzeitig verlieren wir aber auch die internationalen Entwicklungen in der Forschung nicht aus dem Blick, vernetzen uns immer mehr mit anderen Forschungseinrichtungen auf der ganzen Welt und treiben so unsere Internationalisierung voran. Nur wenn wir auf internationalem Niveau forschen, können wir dazu beitragen, dass die Südtiroler Landwirtschaft und Lebensmitteltechnologie international wettbewerbsfähig bleibt. Die Auszeichnung hat uns gezeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind und unsere Forschung international Anerkennung findet“, betonte Laimburg-Direktor Michael Oberhuber.


Wuchsstörungen im Weinbau aufgeklärt
Im Jahr 2015 waren in Südtirol in mehr als 1.000 Rebanlagen bzw. in mehr als 13 % der Weinbaufläche (> 400 ha) Wuchsstörungen an Blättern und Gescheinen von Weinreben aufgetreten, infolge derer die Gescheine gar nicht oder nur teilweise aufblühten. Beträchtlichen Ertragsausfälle von bis zu 80 % waren die Folge. Außer in Südtirol traten die Wuchsstörungen auch in Süditalien, Österreich, Deutschland, Frankreich und der Schweiz auf.
In Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau untersuchte eine interdisziplinäre Forschergruppe des Versuchszentrums Laimburg bestehend aus Experten der Bereiche Weinbau (Barbara Raifer), Pflanzenschutz (Gerd Innerebner) und Agrikulturchemie (Peter Robatscher) die Wuchsstörungen in Feld- und Gewächshausversuchen und im Labor.
Unter der Leitung des Chemieexperten Peter Robatscher gelang es den Forscher nachzuweisen, dass die Wuchsstörungen von einem Abbauprodukt des Fungizids LUNA@Privilege der Firma Bayer CropScience hervorgerufen worden waren. Das auf dem Wirkstoff Fluopyram basierende Pflanzenschutzmittel war im Südtiroler Weinbau im Jahr 2014 beinahe flächendeckend gegen Botrytis eingesetzt worden. Die Firma Bayer CropScience hatte die Ergebnisse des Versuchszentrums Laimburg sofort anerkannt, das Produkt vom Markt genommen und die Südtiroler Weinbauern mit insgesamt mehr als 2 Mio. Euro für ihre Ertragsausfälle entschädigt.
„Entscheidend für den Erfolg unserer Arbeit war unser interdisziplinärer Ansatz, in den Erfahrungen aus den Bereichen Weinbau, Pflanzenschutz und Agrikulturchemie eingeflossen sind“, erklärte Peter Robatscher, der am Versuchszentrum Laimburg das Labor für Aromen und Metaboliten am NOI Techpark  leitet: „Ebenso grundlegend war aber auch die enge Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Beratungsring für Obst- und Weinbau, in erster Linie mit Hansjörg Hafner und seinen Mitarbeitern, und mit den betroffenen Landwirten bei der Aufklärung des Phänomens.“

Weitere Informationen:
Peter Robatscher, Daniela Eisenstecken, Gerd Innerebner, Christian Roschatt, Barbara Raifer, Hannes Rohregger, Hansjörg Hafner, and Michael Oberhuber: 3‑Chloro-5-trifluoromethylpyridine-2-carboxylic acid, a Metabolite of the Fungicide Fluopyram, Causes Growth Disorder in Vitis vinifera. In: J. Agric. Food Chem. 2019, 67, 7223−7231.
Die Veröffentlichung ist unter diesem Link frei zugänglich: https://doi.org/10.1021/acs.jafc.8b05567

Ankündigung der Auszeichnung auf der Webseite der Amerikanischen Chemischen Gesellschaft:
https://axial.acs.org/2020/05/04/the-journal-of-agricultural-and-food-chemistry-research-article-of-the-year-award-2020/


Das Versuchszentrum Laimburg
Das Versuchszentrum Laimburg ist die Forschungsinstitution für die Landwirtschaft und Lebensmittelqualität in Südtirol. Das Versuchszentrum Laimburg betreibt vor allem angewandte Forschung mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Südtiroler Landwirtschaft zu steigern und die Qualität landwirtschaftlicher Produkte zu sichern. Über 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten jährlich an etwa 350 Forschungs- und Versuchsprojekten aus allen Bereichen der Südtiroler Landwirtschaft, vom Obst- und Weinbau bis hin zu Berglandwirtschaft und Lebensmitteltechnologie. Das Versuchszentrum Laimburg wurde 1975 gegründet.

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