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Versuchszentrum Laimburg: Tätigkeitsprogramm 2021 mit über 300 Projekten und Tätigkeiten für die Südtiroler Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung

Das Tätigkeitsprogramm des Versuchszentrums Laimburg für das Jahr 2021 ist finalisiert. Es umfasst mehr als 300 Projekte und Tätigkeiten, die die Forscherinnen und Forscher des Versuchszentrums im Jahr 2021 für die Südtiroler Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung umsetzen werden.

Das Tätigkeitsprogramm 2021: 306 Tätigkeiten und Projekte wird das Versuchszentrums Laimburg im Jahr 2021 bearbeiten. ©Versuchszentrum Laimburg

306 Projekte und Tätigkeiten wird das Versuchszentrum Laimburg im Jahr 2021 bearbeiten. Das Tätigkeitsprogramm des Versuchszentrums wird jeweils im Vorjahr zusammen mit den Interessenvertretern der Südtiroler Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung erarbeitet und definiert. Das Tätigkeitsprogramm 2021 ist nun auf der Webseite des Versuchszentrums Laimburg verfügbar: www.laimburg.it/de/projekte-publikationen/taetigkeitsprogramm.asp 

„Am Versuchszentrum Laimburg betreiben wir angewandte Forschung, um die Probleme der Landwirtschaft zu lösen und der Lebensmittelverarbeitung neue Produktionstechniken und Produkte aufzuzeigen“, betont der Direktor des Versuchszentrums Laimburg Michael Oberhuber. „Mit den mehr als 300 Projekten und Tätigkeiten, die wir 2021 umsetzen, leisten wir einen Beitrag dazu, die Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Südtiroler Landwirtschaft zu steigern und die Qualität landwirtschaftlicher Produkte zu sichern.“
„Das Versuchszentrum Laimburg nimmt eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Südtiroler Landwirtschaft ein. Um den bevorstehenden Herausforderungen gerecht zu werden, brauchen die Bäuerinnen und Bauern die Begleitung und Unterstützung der angewandten Forschung, damit unser Handeln auf handfestem Wissen basiert“, ergänzt Agrarlandesrat Schuler.

Wer entscheidet, woran das Versuchszentrum Laimburg forscht?

Woran das Versuchszentrum Laimburg forscht, ist im Tätigkeitsprogramm des Versuchszentrums festgelegt, das jedes Jahr in enger Abstimmung mit den Vertreterorganisationen der Südtiroler Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung erarbeitet wird. Diese Vertreterorganisationen wurden auch im Jahr 2020 dazu aufgefordert ihre Anliegen an die Forschung kund zu tun und Vorschläge für neue Forschungsvorhaben einzubringen. Diese externen Projektvorschläge wurden gesammelt und mit den internen Vorschlägen, die die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Versuchszentrums erarbeiten, zusammengeführt.
Ende August bis Anfang September eines jeden Jahres finden dann am Versuchszentrum die sog. „Fachbeiratssitzungen“ zu allen Forschungsbereichen des Versuchszentrums statt. Im Jahr 2020 wurden dazu insgesamt 125 lokale Organisationen wie u. a. der Südtiroler Bauernbund, die Beratungsorganisationen, Vertreter der Obst-, Wein- und Berglandwirtschaft, Bioverbände etc. eingeladen.
In diesen Fachbeiratssitzungen diskutieren die jeweiligen Fachexperten des Versuchszentrums und die lokalen Interessenvertreter gemeinsam die aktuellen Probleme bzw. die eingegangenen Vorschläge für neue Forschungsvorhaben. Alle Vorschläge wurden auf ihre Umsetzbarkeit hin geprüft und gemeinsam priorisiert. Die in den Fachbeiratssitzungen vorgenommenen Priorisierungen wurden anschließend dem Wissenschaftlichen Beirat des Versuchszentrums zur Stellungnahme vorgelegt und daraufhin in Abstimmung mit dem Ressort für Landwirtschaft vom Direktor des Versuchszentrums Laimburg Michael Oberhuber genehmigt.

119 Forschungsanliegen vonseiten der lokalen Interessenvertreter

Für das Tätigkeitsprogramm 2021 des Versuchszentrums Laimburg sind 119 Vorschläge für neue Projekte und Tätigkeiten von den verschiedenen Institutionen der Südtiroler Landwirtschaft und Lebensmitteltechnologie vorgelegt worden. Dabei hat sich in den letzten Jahren die Anzahl der externen Projektvorschläge von 32 im Jahr 2009 über 100 im Jahr 2017 auf 119 im Jahr 2020 stetig erhöht. „Diese steigende Anzahl ist sicher zum einen darauf zurückzuführen, dass wir unsere Tätigkeit in den letzten Jahren auf neue Bereiche etwa in der Lebensmittelverarbeitung ausgeweitet haben, zum anderen aber auch als Signal zu werten, dass die Interessenvertreter das Versuchszentrum als verlässlichen Partner sehen, der ihnen geeignete Lösungen für konkrete Probleme liefern kann“, erklärt Jennifer Berger, Leiterin des Science Support Centre am Versuchszentrum Laimburg.

Mit welchen Themen beschäftigt sich das Versuchszentrum im Jahr 2021?

Das Tätigkeitsprogramm 2021 des Versuchszentrums enthält 306 Tätigkeiten und Projekte. Bei den „Tätigkeiten“ handelt es sich um dauerhaft und kontinuierlich stattfindende Forschungsaktivitäten wie z. B. Sorten- oder Standortprüfungen im Obstbau, Weinbau oder Kräuteranbau; die Prüfung neuer Anbausysteme oder aber die Prüfung von Mitteln oder Strategien zur Regulierung von Krankheiten und Schädlingen. „Projekte“ hingegen werden infolge einer neu aufgetretenen Problematik oder eines konkreten Forschungsbedarfs durchgeführt und haben einen begrenzten Bearbeitungszeitraum. Dazu gehören auch sog. Drittmittelprojekte, z. B. Projekte, die aus Mitteln europäischer Programme wie dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung EFRE finanziert werden. Nachfolgend einige Beispiele aus den verschiedenen Forschungsbereichen des Versuchszentrums:

Beispiele für neue Forschungsprojekte:

Neue Laimburger Apfelsorte Lb 4852

Das im Jahr 1997 begonnene Laimburger Apfelsortenzüchtungsprogramm trägt erste Früchte: Zwei Sorten wurden zum Europäischen Sortenschutz angemeldet. Im Jahr 2018 wurden die Verwertungsrechte am Programm im Zuge einer europäischen Ausschreibung an eine Bietergemeinschaft aus VOG und Vi.P übergeben, die im Frühjahr 2020 die Option auf die Laimburger Apfelsorte Lb 4852 wahrgenommen hat. Für diese Sorte müssen nun Empfehlungen für Anbau und Lagerung erarbeitet werden, um sicherzustellen, dass die für die Vermarktung wichtigen Kriterien bezüglich äußerer Qualität und Lagerfähigkeit erreicht werden. Zu diesem Zweck intensiviert das Versuchszentrum Laimburg Versuche im Anbau und in der Lagerung dieser Sorte. Das auf fünf Jahre ausgelegte Projekt (OB-po-21-1) wird unter der Leitung von Walter Guerra von den Arbeitsgruppen „Pomologie“, „Physiologie Obstbau“ sowie „Lagerung und Nacherntebiologie“ durchgeführt. Kooperationspartner ist das Sortenerneuerungskonsortium Südtirol.

LIDO – Errichtung eines digitalen Freilandlabors für den Obst- und Weinbau

Digitalisierung, Robotik, Automatisierung und künstliche Intelligenz sollen es ermöglichen, nachhaltiger zu produzieren, mit den verfügbaren Ressourcen schonender umzugehen und die notwendigen Anpassungen an den Klimawandel vorzunehmen. Um diese neuen technischen Möglichkeiten für die Landwirtschaft nutzbar zu machen, soll am Versuchszentrum Laimburg erstmals ein digitales Freilandlabor für den Obst- und Weinbau, das LIDO (Laimburg Integrated Digital Orchard), eingerichtet werden. In diesem Freilandlabor werden neue Methoden und Technologien wie Sensoren, (Pflück)Roboter, stationäre Applikationstechnik, Vorhersagemodelle, Technologien der Datenübertragung und Steuerung in Kombination – als System von Systemen – erforscht. Durch die Anbindung an den NOI Techpark soll das LIDO zur Keimzelle für Innovation und Technologietransfer werden. Im Freilandlabor werden Forscher, Berater, Unternehmen und Landwirte zusammenarbeiten. Das LIDO (Projekt OB-po-21-3) wird in den kommenden zwei Jahren unter der Leitung von Walter Guerra errichtet und vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) finanziert.

CLEVAS – Auswirkungen von Klimaextremen auf die Weinproduktion in Südtirol

Infolge der Klimaänderung ist in Südtirol bereits heute ein überdurchschnittlich hoher Temperaturanstieg
feststellbar, der sich in Zukunft noch verstärken könnte. Um negative Auswirkungen auf die Weinqualität zu vermeiden, müssen Anpassungen in der Produktion erfolgen. Eine Voraussetzung dafür ist es aufkommenden Pflanzenstress frühzeitig zu erkennen. Darum sollen im neuen Projekt CLEVAS (WB-pa-21-3) die Eignung von SIF (Solar Induced Fluorescence) zur Früherkennung von Temperatur und Trockenstress der Rebe untersucht und die Auswirkungen extremer Klimasituationen auf die Weinqualität ermittelt werden. Dazu werden einerseits Freilandversuche, andererseits Stresssimulationen an Topfreben im Zentrum für Extremklimasimulation terraXcube am NOI Techpark durchgeführt. Das Projekt ist auf zwei Jahre ausgelegt und wird unter der Leitung von Florian Haas in Kooperation mit den Universitäten Innsbruck und Bozen durchgeführt. Gefördert wird das Projekt von der Landesabteilung 34. Innovation, Forschung, Universität und Museen im Rahmen der Wettbewerbsausschreibung „Research Südtirol / Alto Adige 2019“.

Einfluss der Kühlung von Trauben und der Verweildauer auf die Weinqualität

Während der Traubenlese kommt es in den Kellereigenossenschaften zu Arbeitsspitzen, insbesondere vor und unmittelbar nach Niederschlägen, um die Zwischenlagerung der Trauben bei teilweise hohen Temperaturen zu vermeiden. Insbesondere bei nicht vollständig gesundem Traubenmaterial besteht die Gefahr, dass die natürliche Mikroflora auf den Trauben damit beginnt sich zu vermehren und Inhaltsstoffe zu verstoffwechseln. Unerwünschte Hefen oder Bakterien können sowohl die Gärungsprozesse stören als auch unmittelbar zur Bildung von Fehlaromen führen. Diese Problematik wird durch den Klimawandel noch verstärkt. Dazu kommt, dass einzelne Schritte bei der Weinbereitung wie Mostentschleimung oder Kaltmazeration unbedingt bei kühlen Temperaturen stattfinden müssen. Vor diesem Hintergrund stellen sich viele Önologen die Frage, ob man die Trauben kühlen und bei Bedarf zwischenlagern sollte, bevor sie weiterverarbeitet werden. Das Versuchszentrum Laimburg hat diese Anregung des Verbands der Kellermeister aufgenommen und wird nun untersuchen, ob sich die Kühlung von Weintrauben vor der Vinifikation auf die Qualität des Weins auswirkt. Das auf vier Jahre ausgelegte Projekt im Projekt (OE-vw-21-1) wird unter der Leitung von Ulrich Pedri von der Arbeitsgruppe „Verfahren und Wissenstransfer“ in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Lebensmittelmikrobiologie und dem Labor für Wein- und Getränkeanalytik durchgeführt.

Marmorierte Baumwanze: Biologische Regulierung durch natürliche Gegenspieler

Die Marmorierte Baumwanze (Haloymorpha halys) ist ein invasiver Schädling aus Ostasien, der seit 2016 auch in Südtirol auftritt und große Schäden vor allem an Stein-, Kern- und Beerenobst verursacht. Das Versuchszentrum Laimburg untersucht den Schädling seit 2016, um eine zielgerichtete Strategie zu dessen Bekämpfung zu entwickeln. Besondere Bedeutung kommt dabei dem Einsatz natürlicher Gegenspieler zu. In ihrem Ursprungsgebiet in Asien wird die Baumwanze von natürlichen Feinden wie etwa der Samurai-Wespe (Trissolcus japonicus) in Schach gehalten. Inzwischen bestehen in Italien die rechtlichen Voraussetzungen dazu, nicht-heimische Arten wie die Samurai-Wespe zur Eindämmung von Schädlingen freisetzen zu können. Das Versuchszentrum Laimburg wurde damit beauftragt, ab 2020 Freisetzungen der Samurai-Wespe an ausgewählten Standorten in Südtirol durchzuführen und die dafür benötigten Individuen nachzuzüchten. Die Herausforderung liegt nun darin, geeignete Standorte mit einer ausreichenden Anzahl an natürlich vorkommenden Eigelegen der Baumwanze zu finden, um eine permanente Ansiedelung der Samurai-Wespe in Südtirol zu erreichen. Zu diesem Zweck führt die Arbeitsgruppe „Entomologie“ des Versuchszentrums unter der Leitung von Manfred Wolf und in Kooperation mit der Landesabteilung 31. Landwirtschaft das Projekt „Japonicus“ (Pf-en-21-1) durch.

Äpfel und Gesundheit

Im Interreg-Projekt AppleCare entwickelte ein Forscherteam unter der Leitung von Thomas Letschka vom Versuchszentrum Laimburg eine natürliche Therapie zur Behandlung der Birkenpollenallergie, die auf dem Konsum von Äpfeln beruht. Ausgangspunkt war die Beobachtung, dass Birkenpollenallergiker auch auf Äpfel allergisch reagieren und dieselben Symptome zeigen. Zur Entwicklung der sog. „Apfeltherapie“ machten sich die Forscher eine strukturelle Ähnlichkeit zwischen dem Birkenpollenprotein, welches die allergische Reaktion auslöst, und einem verwandten Eiweiß im Apfel zunutze. Durch die kontrollierte Einnahme von Apfelallergenen soll auch die Birkenpollenallergie bekämpft werden. Um herauszufinden, welche Apfelsorten sich am besten zur Therapie der Birkenpollenallergie eignen, wurden 23 verschiedene Apfelsorten analysiert. Dabei zeigte sich, dass sich die Apfelsorten in puncto Verträglichkeit stark unterscheiden. Daraus erwuchs das Interesse, weitere Sorten auf ihr allergenes Potenzial hin zu untersuchen, und zwar sowohl „Marktsorten" als auch alte Lokalsorten (Landsorten) und neue Sorten wie etwa rotfleischige Sorten. Bisher wurde diese Untersuchung mittels aufwändiger Hauttests oder oraler Expositionstests durchgeführt. Ziel des Projekts MB-zg-21-1 ist es darum, einen Labortest zu entwickeln, mit welchem die Verträglichkeit bzw. das allergene Potenzial verschiedener Apfelsorten auf schnellere und einfachere Art und Weise getestet werden kann. Ein derartiger Test könnte nicht nur ein interessantes Tool für die Züchtung und Vermarktung neuer Sorten für Allergiker darstellen, sondern könnte auch dabei helfen zu erforschen, welchen Einfluss Kulturführungs- oder Lagerungsmaßnahmen auf die Verträglichkeit von Äpfeln haben. Das Projekt hat am 01.01.2021 unter der Leitung von Thomas Letschka begonnen und wird von den Arbeitsgruppen „Züchtungsgenomik“ und „Pomologie“ in Zusammenarbeit mit einer der führenden Firmen in der Allergiediagnostik durchgeführt.

Herstellung alkoholfreier Getränke auf Fermentationsbasis

Lebensmittelverarbeitende Betriebe sind daran interessiert, alkoholfreie Getränke oder Getränke mit niedrigem Alkoholgehalt auf Basis von Fermentation für die Direktvermarktung herzustellen. Zur Fermentation liegen bislang wenige praktische Versuche zu Herstellungsverfahren vor, auf denen die Südtiroler Direktvermarkter oder Lebensmittel-Start-Ups aufbauen könnten. Diese Anregung vonseiten des Südtiroler Bauernbunds hat das Versuchszentrum Laimburg aufgenommen und wird das Anliegen nun mit dem Projekt LM-fd-21-1 umsetzen, um Herstellern die Möglichkeiten zur Produktion von hochwertigen, mikrobiologisch sicheren und alkoholfreien Fermentationsgetränken aufzuzeigen. Mit dem Projekt sollen die Grundlagen dafür geschaffen werden, dass Südtiroler Betriebe möglichst gut informiert, schnell und mit wenig Risiko in die Herstellung dieser Getränke einsteigen können. Darum wird ein Forscherteam unter der Leitung von Lorenza Conterno die Eignung verschiedener Mikroorganismen und pflanzlicher Rohstoffe als Basis für alkoholfreie Fermentationsprodukte prüfen, verschiedene Rezepturen entwickeln und die Qualität der fermentierten Produkte analysieren. An dem auf zwei Jahre angelegten Projekt sind die Arbeitsgruppen „Fermentation und Destillation“, „Acker- und Kräuteranbau“ sowie „Lebensmittelmikrobiologie“ beteiligt.

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