Aktuelle Herausforderungen, neue Lösungen: Tag des Weines und der Rebe am Versuchszentrum Laimburg
Über 100 Personen informierten sich am Donnerstag, 19. März 2026, beim Tag des Weines und der Rebe des Versuchszentrums Laimburg über die neuesten Erkenntnisse im Weinbau und in der Kellerwirtschaft. Die Fachvorträge, der Austausch mit Expertinnen und Experten sowie die Verkostung von Versuchsweinen boten den Teilnehmenden einen umfassenden Einblick in die angewandte Forschung und die Zukunft der Weinbranche in Südtirol.
Der Weinbau hat in Südtirol eine lange Tradition und zeichnet sich durch hohe Produktionsstandards aus. Doch die Auswirkungen des Klimawandels sowie veränderte Konsumtrends stellen die Branche vor neue, komplexe Herausforderungen. Am Donnerstag, 19. März 2026, fand am Versuchszentrum Laimburg der Tag des Weines und der Rebe statt. Fachleute aus Weinbau und Kellerwirtschaft präsentierten aktuelle Erkenntnisse und gaben Einblicke in ihre Tätigkeiten, von der Entalkoholisierung von Wein über verschiedene Erziehungssysteme und die Bekämpfung von Botrytis bis hin zur Traubenkühlung und Weinsteinstabilisierung. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch eine Verkostung von Versuchsweinen, darunter entalkoholisierte Weine sowie Blauburgunderweine aus unterschiedlichen Erziehungssystemen.
„Unser ständiges Bemühen ist es, konkrete Lösungen für die Herausforderungen der Praxis in Südtirol zu finden. Am Tag des Weines und der Rebe präsentieren Fachleute ihre Ergebnisse und diskutieren Methoden und Technologien, die zur Sicherung der Weinqualität beitragen. Diese Veranstaltung ist von großem Wert, denn wir können unser Wissen an die Praxis weitergeben und erhalten gleichzeitig Feedback von jenen, die tagtäglich im Weinberg arbeiten oder Wein herstellen”, so der Direktor des Versuchszentrums Laimburg, Michael Oberhuber.
Neuer Konsumtrend: entalkoholisierte NoLo-Weine
Veränderte Geschmacks- und Konsumgewohnheiten und WHO-Strategien zur Reduktion des Alkoholkonsums rücken NoLo-Wein – Weine ohne („No“) oder mit niedrigem („Low“) Alkoholgehalt – zunehmend in den Fokus. Lorenzo Italiano von der Hochschule Geisenheim beleuchtete Herstellungsverfahren, rechtliche Rahmenbedingungen und Marktentwicklung. Während die größte Nachfrage derzeit aus Deutschland, Spanien und Frankreich kommt, machen NoLo-Weine in Italien lediglich 0,1 % des gesamten Weinmarktes aus. Dennoch wird bis 2033 ein starkes Wachstum auf rund 15 Millionen US-Dollar erwartet – bei einem durchschnittlichen Jahreswachstum von rund 47%.
Zur Herstellung stehen unterschiedliche Technologien zur Verfügung: Membranverfahren wie Umkehrosmose, Membran-Kontaktverfahren und Nanofiltration arbeiten bei niedrigen Temperaturen und eignen sich besonders für partielle Alkoholreduktionen auf 1 bis 6 Volumenprozent und für kleinere Kellereien. Destillative Verfahren wie z.B. die Vakuumdestillation ermöglichen Alkoholgehalte unter 0,5 Volumenprozent, erfordern aber komplexe Anlagen und bieten sich für große Produktionsmengen an.
Zentral bleiben Herausforderungen wie Aromaverluste während der Entalkoholisierung des Weines, die das sensorische Geschmacksprofil verändern können. Hinzu kommen höhere Produktionskosten, da die Herstellung technologisch anspruchsvoll ist. Gleichzeitig stellt sich die Frage nach der Identität des Produkts, da Herkunft, Qualität und Preis von NoLo-Wein als neuartiges Getränk gesondert vermittelt werden müssen.
Wärmere Weinlese: Bewahrung der Qualität durch Traubenkühlung
„Während der Weinlese kommt es in den Kellereien regelmäßig zu Arbeitsspitzen, besonders vor oder nach Niederschlägen, wenn die Trauben rasch verarbeitet werden müssen. Um eine Zwischenlagerung bei hohen Temperaturen zu vermeiden, arbeiten viele Kellereien oft bis spät in die Nacht. Der Klimawandel verschärft diese Situation, da die Ernte zunehmend in sehr warme Perioden fällt. Gleichzeitig erfordern mehrere Schritte der Weinbereitung kühle Bedingungen“, so Ulrich Pedri, Leiter des Fachbereichs Önologie am Versuchszentrum Laimburg. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob eine gezielte Kühlung der Trauben vor der Verarbeitung sinnvoll wäre. In den Jahren 2022 und 2023 wurden Sauvignon-Trauben verschiedenen Lagertemperaturbedingungen unterzogen. Die Ergebnisse sind eindeutig: Zwischen einer direkten Verarbeitung und einer Lagerung der Trauben bei 8 °C ließen sich keine signifikanten sensorischen Unterschiede feststellen. Auch mikrobiologisch und chemisch zeigte die Kühlung auf 8 °C für 48 Stunden keine negativen Veränderungen. Kritisch erwiesen sich hingegen Lagertemperaturen von 20 °C und höher, die zu deutlichen mikrobiologischen, chemischen und auch sensorischen Beeinträchtigungen führen können.
Botrytis-Bekämpfung: Ergebnisse der aktuellen Versuche
Botrytis cinerea ist ein weltweit verbreiteter Pilz, der unter feucht-warmen Bedingungen Trauben befällt und erhebliche Qualitäts- und Ernteverluste verursachen kann. Angesichts zunehmender Wetterextreme steigt die Bedeutung wirksamer und nachhaltiger Bekämpfungsstrategien. Am Versuchszentrum Laimburg wurden im Jahr 2025 zwei Versuche durchgeführt.
Im ersten Versuch prüften die Forschenden die Botrytizide Teldor Plus, Geoxe und Cantus in zwei unterschiedlichen Aufwandmengen und Anwendungszeitpunkten. Die beste Wirkung erzielte die Behandlung mit Teldor Plus in der höheren Dosierung von 150 ml/hl zu Reifebeginn, gefolgt von Geoxe mit 100 g/hl.
Im zweiten Versuch lag der Fokus auf der Frage, ob sich die Wirksamkeit steigern lässt, wenn Teldor Plus zu verschiedenen Entwicklungsstadien eingesetzt und anschließend mit zwei Vorerntebehandlungen durch das biologische Produkt 3Logy (Eugenol, Geraniol, Thymol) kombiniert wird. In weiteren Varianten wurden 3Logy, Fimum Fruchtkalk (auf Basis von Calciumhydroxid) sowie Armicarb 85 (Kaliumbicarbonat) zweimalig im Vorerntebereich appliziert. Die Ergebnisse zeigen, dass nur Armicarb 85 eine klare Befallsreduktion erzielte.
Die Versuche machen deutlich, dass die Botrytizide Teldor Plus und Geoxe sowie Armicarb 85 weiterhin die zuverlässigsten Mittel für eine erfolgreiche Botrytisbekämpfung darstellen.




