Fachtagung „Naturnahe Grünflächenpflege“: Lösungen für Städte und Gemeinden im Fokus

05.03.2026

Immer mehr Menschen leben in Städten – umso wichtiger ist es, Siedlungsräume nachhaltig zu gestalten und die Lebensqualität langfristig zu sichern. Genau hier setzt die vom Versuchszentrum Laimburg, der Stadtgemeinde Meran und den Gärten von Schloss Trauttmansdorff organisierte Fachtagung „Naturnahe Grünflächenpflege“ an. 300 Fachleute verfolgten die achte Ausgabe am Freitag, 6. März 2026 im NOI Techpark. Im Mittelpunkt standen Lichtverschmutzung, Bauwerksbegrünungen, extensive Grünflächen, Pflanzengesundheit und Artenvielfalt.

Abb. 1: Die Fachtagung „Naturnahe Grünflächenpflege“ wird vom Versuchszentrum Laimburg, der Stadtgemeinde Meran und den Gärten von Schloss Trauttmansdorff organisiert.
© Laimburg Research Centre/daniel rossato
Abb. 1: Die Fachtagung „Naturnahe Grünflächenpflege“ wird vom Versuchszentrum Laimburg, der Stadtgemeinde Meran und den Gärten von Schloss Trauttmansdorff organisiert. © Laimburg Research Centre/daniel rossato

Am Freitag, 6. März 2026, haben 300 Personen die Fachtagung „Naturnahe Grünflächenpflege“ im NOI Techpark in Bozen Süd mitverfolgt. Sie diskutierten über zentrale Fragen der öffentlichen Grünflächenpflege: Wie lässt sich Artenvielfalt fördern? Wie funktionieren biologische Strategien gegen Schädlinge und Krankheiten? Welche Potenziale bieten Fassaden- und Dachbegrünungen? Und wie lassen sich große Baumhabitate erhalten? Auch Themen mit breiter gesellschaftlicher Relevanz – etwa Lichtverschmutzung – standen auf dem Programm. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf extensiven Grünflächen wie Magerrasen und Staudenbeeten und deren Akzeptanz. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Versuchszentrum Laimburg, der Stadtgemeinde Meran und den Gärten von Schloss Trauttmansdorff.

„Grünflächen sind weit mehr als dekorative Elemente: Sie kühlen den Siedlungsraum, verbessern das Mikroklima, fördern die Artenvielfalt und erhöhen die Lebensqualität. Damit sie diese Funktionen erfüllen können, braucht es standortgerechte Planung, fachgerechte Pflege sowie Konzepte, die langfristig funktionieren“, erklärte Kathrin Plunger, Leiterin der Arbeitsgruppe Landschaftsbau am Versuchszentrum Laimburg.

Die Schattenseiten des Lichts

Beleuchtung steht für Sicherheit, Zivilisation und Modernität. Gleichzeitig belastet Kunstlicht Menschen, Tiere und Pflanzen. „Von Lichtverschmutzung spricht man, wenn künstliche Beleuchtung in der Nacht über ihren eigentlichen Zweck hinaus wirkt – also dann, wenn Licht zur falschen Zeit, am falschen Ort oder in unnötiger Intensität eingesetzt wird“, erklärte David Gruber, Direktor des Naturmuseums Südtirol in Bozen. Die Folgen zeigen sich auf mehreren Ebenen. Beim Menschen kann vor allem der Blauanteil im Licht die Melatoninproduktion hemmen. Mögliche Konsequenzen reichen von verzögertem Einschlafen bis hin zu gesundheitlichen Problemen bei chronischer Störung des Tag-Nacht-Rhythmus. Auch Pflanzen reagieren empfindlich auf nächtliche Beleuchtung, da Licht zentrale Entwicklungsprozesse wie Blütenbildung oder Laubabwurf steuert. Besonders stark betroffen ist die Tierwelt: Viele Insekten orientieren sich am natürlichen Nachtlicht und werden von künstlichen Lichtquellen angezogen oder verdrängt. Dadurch verändern sich Bestäubungsleistungen und Nahrungsnetze. Auch Vögel, Fledermäuse und Amphibien können in ihrem Verhalten, ihrer Orientierung und ihrem Fortpflanzungserfolg beeinträchtigt werden.

Abhilfe schaffen einfache Prinzipien: Leuchten konsequent abschirmen und nach unten ausrichten, sensible Bereiche möglichst dunkel halten und warmweißes Licht mit niedriger Farbtemperatur (unter 3.000 Kelvin) einsetzen. Entscheidend bleibt der Grundsatz: Nur dort beleuchten, wo es notwendig ist – nur so lange wie nötig – und nur so hell und blauarm wie möglich.

Extensivierung: Naturnahe Flächen mit wenig Pflegeaufwand

Extensive Grünflächen sind Bereiche im Siedlungsraum, die naturnah gestaltet sind und weniger Pflege benötigen. Das spart Ressourcen und fördert gleichzeitig die Artenvielfalt. Andreas Nemetz, Leiter des Amtes für Umwelt und Kreislaufwirtschaft der Stadt Haar (Deutschland), präsentierte Magerrasen als ökologische und ökonomische Alternative im öffentlichen Grün. Aus 25 Jahren Praxis zeigte er, dass Magerrasen den Pflegeaufwand senken und zugleich Wohnumfeld, Parkplatzbegrünungen und Straßenbegleitgrün aufwerten. Die Magerrasen erwiesen sich als hitze- und trockenheitstolerant und stießen auf hohe Akzeptanz.

Michael Tauderer, Leiter der Gärtnerei Tauderer aus Fulpmes im Stubaital (Österreich), berichtete über Staudenbeete im öffentlichen Grün. Stauden sind ausdauernde, krautige Pflanzen. Sie treiben jedes Jahr aus unterirdischen Speicherorganen neu aus und schaffen lebendige, abwechslungsreiche und ästhetische Flächen. Sie fördern die Biodiversität und unterstützen die Versickerung von Oberflächenwasser. In der Anschaffung sind sie jedoch kostenintensiv und erfordern Fachwissen – sowohl bei der Pflanzenauswahl als auch in der laufenden Pflege. Herausforderungen wie Streusalz, Schneelast oder Unkrautdruck lassen sich durch fachgerechte Pflege abfedern.

Klaudia Resch, selbständige Mitarbeiterin des Ökoinstituts Südtirol, erklärte, dass naturnahe Flächen für viele „unordentlich“ wirken. Akzeptanz entsteht durch verständliche Kommunikation, durch Informationen über Erfolge sowie durch gezielte Gestaltungselemente – etwa gemähte Ränder, klare Wege, Sitzpunkte oder Insektenhotels.

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